Provinz Toliara

Aus Madagaskar Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

FARITANY TOLIARA: Dornen und Durst

Der Mangel an Wasser bildet die Grundthematik der Bevölkerung der südlichsten, grössten und trockensten Provinz Madagaskars. Grundwasser ist zwar vielerorts vorhanden, doch erweist sich das Bauen von Brunnen und die tägliche Wasserbeschaffung als problematisch. Nur gerade die Südostecke und damit Fort-Dauphin verfügt über ein feuchtes Klima, weil diese Zone dem Einfluss der regenreichen Ostküste unterliegt. Die Provinz Tulear weist mit 1,8 Mio. Leuten eine Dichte von 11,4 Pers/ km2 auf, doch die Bevölkerung konzentriert sich vor allem in den fruchtbareren Tälern, entlang der Strassen und in einigen oasenartigen Gunstzonen.

Für die Bewohner des Südens gehört die Migration in andere Landesteile seit Generationen zur Familientradition - besonders die jungen Antandroy wandern für ein paar Jahre nach Norden in die grossen - früher kolonialen - Landkonzessionen: immer mit der Absicht, mit erspartem Kapital zurückzukommen, um Vieh zu kaufen und zu heiraten. Die Wanderarbeiter werden im Nordwesten der Insel meist mit der generischen Bezeichnung Antandroy bezeichnet, obwohl sich sehr viele Mahafaly darunter befinden.

Im Süden gab es aber auch grossangelegte Völkerwanderungen mit einer generellen Bewegungsrichtung nach Nordwesten. Die daraus erfolgte Vermischung der Völker wirkt sich bis heute aus: noch immer stehen in diesen Zonen die tompon-tany (Herren der Erde) über den mpiavy (Neuangekommene). Diese Situation führt zuweilen zu gespannten Verhältnissen zwischen Ansässigen und Einwanderern. Insbesonders auch, weil jede der Volksgruppen einen Hang zu grosser Mobilität aufweist und im Laufe der Jahrhunderte allmählich weiterwandert.

Tulear ist eine agro-pastorale Provinz. Zwar wird Reis, als Regenreis oder in bewässerten Feldern, angebaut, doch kann sich die Provinz nicht selbst mit Reis ernähren, unter anderem auch, weil sich viele Gebiete als Enklaven ohne gesicherte Strassenverbindungen ausserhalb des Güteraustausches befinden.

Extensive Viehhaltung dominiert in den weiten Savannen und Dornbuschgegenden. Der grösste Teil der Provinz kennt ein gravierendes Sicherheitsproblem: schwerbewaffnete Viehdiebe (dahalo) verursachen oft auch Tote unter den Dorfbewohnern.

Die mangrovenbesetzte Küste ist fischreich. Die industrielle Fischerei hat erst in den letzten Jahren in der Region von Fort-Dauphin an Bedeutung gewonnen. Fische und Zebu bilden die Ernährungsbasis der Bewohner, wie dies auch im Provinzwappen symbolisiert wird.

Mit den anderen Provinzen ist Tulear einzig über die wettersichere RN 7 (Tulear - Ihosy - Fianarantsoa) verbunden. Die Piste von Fort-Dauphin über Betroka nach Ihosy ist stark degradiert und während der Regenzeit nur sehr schwer zu befahren. Von Fort-Dauphin nach Vangaindrano und Manakara zu gelangen, ist mit einem Fahrzeug unmöglich.

Diese prekären Verkehrsverhältnisse führen zu dauernder oder zeitweiser Isolierung vieler Zonen innerhalb der Provinz. So ist die Region nördlich von Miandrivazo, einst ein sehr wichtiges Tabakanbaugebiet, nur von Tsiroanomandidy her zugänglich und auch dies nicht das ganze Jahr.

Der Menabe, die Region um Morondava zwischen den Flüssen Tsiribihina und Mangoky, führt innerhalb der Provinz fast ein Eigenleben. Die Strassenverbindung zur Provinzhauptstadt war schon vor 1991 prekär, dann jedoch komplett unterbrochen, weil der Zyklon Cynthia auch die zweite Brücke nach Süden zerstörte. Für die 700 km von Antananarivo nach Morondava sind auch heute noch mindestens 12 Fahrstunden zu rechnen, weil die Strecke zwischen Miandrivazo und Malaimbany sehr schwierig zu befahren ist.

Der grösste Teil des Menabe ist eine trockene Savanne, dominiert durch kily (Tamarindenbäume) und Baobab, bewachsen von sakoa (pourpatia caffra) und Büschen.

Der Menabe ist mit 6 Pers/ km2 nicht dicht besiedelt, zudem wohnen die Leute in wenigen Gunstzonen. So sind die fruchtbaren Deltas und Schwemmgebiete der Flüsse Morondava und Kabatomena in der Umgebung der Stadt Morondava und auch jene entlang des Flusses Tsiribihina relativ stark besiedelt.

Der Menabe hätte an sich eine grosse landwirtschaftliche Potenz für verschiedene Produkte. Früher wurden - vor allem in der Region zwischen Manja und Morondava - Kaperbsen angebaut und in grosse Mengen exportiert. Ebenso wurden Erdnüsse, Tabak, Baumwolle angebaut, heute finden sich diese Kulturen kaum mehr oder im Niedergang. Der Anbau von Burley-Tabak stellte früher eine wichtige Einnahmequelle dar, vor allem im heissen Bruchtal zwischen Miandrivazo und Antevamena, doch auch diese Produktion ist in dramatischer Regression. Das Anpflanzen von Baumwolle in der Region von Miandrivazo wurde wieder aufgegeben. Einzig Zuckerrohr wird in der Region von Morondava angepflanzt und verarbeitet.

Morondava als zentraler Ort des Menabe konzentriert die wenigen industriellen Betriebe der Region: Zuckerfabrik, Rumdistillerie, Schlachterei und Ölmühle mit Seifenfabrik.

Die SIRANALA (Siramamy Analaiva, Zucker von Analaiva) beschäftigt etwa 800 Personen und während der Erntezeit zusätzlich 1800 Saisoniers. Die mit chinesischer Hilfe erbaute Fabrik mit einer Verarbeitungskapazität von 1000 Tonnen Zuckerrohr pro Tag produzierte 1986 13500 Tonnen Zucker. Die Produktion wird vor allem in der Provinz Tulear verkauft, zudem liefert die SIRANALA 1000 Tonnen Zucker an die Getränkefabrik STAR in Antsirabe.

Die SAGRIM (Société Agricole et Industrielle du Menabe) bei Mahabo destilliert Rum und beschäftigt etwa 60 Personen.

Die Schlachterei SECIAM wurde zu Beginn der 1990er Jahre rehabilitiert und soll den Export in den europäischen Raum aufnehmen. Interne Schwierigkeiten haben aber die Aufnahme der Aktivität seit 1991 immer wieder hinausgezögert und letztlich nie aufgenommen.

Seit Jahren hofft man auf Ölvorkommen und Erdgas im Menabe oder off-shore im Kanal von Mozambique, fündig ist bislang noch keine der vielen Bohrequipen geworden. Hingegen existieren verschiedene Quarzadern und Vorkommen von Beryll. Ein industrieller Abbau wird allerdings nicht vorgenommen. Ebenso wird Gold in der Gegend um Miandrivazo nur von Familien und Einzelsuchern geschürft.

Morondava ist nicht nur die Kapitale des Menabe, sondern auch der einzige Ort mit städtischen Funktionen. Mahabo ist als früherer Hauptort des Sakalava-Menabe ein alter notabler Ort und wird von 12’000 Einwohner bewohnt. Miandrivazo hat bloss 3000 Einwohner.

Der Menabe wurde früher von den viehzüchtenden Sakalava bewohnt und von den fischenden Vezo an der Küste. Doch die Viehhalter wurden zusehends verdrängt, denn die fruchtbaren, breiten Flusstäler sind auch ein altes Einwanderungsgebiet von Betsileo (besonders in der Region um Mahabo und Malaimbandy), von Leuten aus dem Südosten der Provinz (Antaisaka, Antandroy, Antanosy) und von den viehhaltenden Bara. Nur die Küstenzonen westlich von Manja und die Region nördlich von Belo-sur-Tsiribihina werden noch mehrheitlich von Sakalava bewohnt. Mahabo zum Beispiel war schon 1960 zu 82% von Immigranten bewohnt.

Ein verstärkter Zustrom von Landwirtschaftsarbeitern fand ab 1910 statt, als am Unterlauf des Tsiribihina Kaperbsen angepflanzt wurden. Ein neuer Schub kam ab 1925, als der Anbau von Tabak in der breiten Talsohle zwischen Malaimbandy und Ankavandra begann. Eine weitere Einwanderungswelle löste 1955 - 60 der Anbau von Tabak in der Gegend von Belo-sur-Tsiribihina aus.

Im Menabe werden die Leute des Südostens generell Kirao (wörtlich: junge Leute) genannt. Oder oft auch einfach Antandroy (obwohl sich dabei auch Leute aus anderen Stämmen befinden). Die Kirao halten sich im Schnitt sieben bis acht Jahre im Menabe auf und gehen dann wieder in ihre Heimat zurück. Etliche liessen sich jedoch in ihrem Gastland fest nieder. Diese Immigrationen und die starke Mobilität sind auch verantwortlich für die sehr schwankende Bevölkerungszahl der Region.

Die Immigranten pflanzen überall wo nur möglich Reis an. So entstanden die mit Kanälen bewässerten Reisebenen von Mahabo (7000 ha) und die 3000 ha grosse Reisebene im Delta des Flusses Morondava. Der bewässerte Reisanbau erlaubt bei genügend Wasser zwei Ernten pro Jahr (Mai und November). Entlang des Tsiribihina wird das in Sümpfen und Seen stagnierende Überschwemmungswasser des Flusses benutzt, um Reis anzupflanzen. Diese Methode ist die ursprüngliche der Gegend.

Die Zerstörung des Trockenwaldes ist dramatisch: jedes Jahr verschwinden in der Region mindestens 1000 ha Wald. Dabei wirkten sich die Erkundungsstrassen der Ölsucher aktivierend aus: die Öltrupps schlugen ein quadratisches Strassennetz durch die Waldgebiete nördlich und südlich von Morondava. Diese Wege wurden dann zu den bevorzugten Einfallachsen der Holzdiebe, die rund 50 Baumsorten ausbeuten. Verheerend wirkt sich aber auch die Herstellung von Holzkohle aus und natürlich auch das Roden zur Gewinnung von neuem Pflanzland.

Viehzucht ist eine wichtige Tätigkeit der Bevölkerung und hat stark sozialen Prestigewert. Doch Vieh aus dem Menabe wird auch auf das Hochland verkauft. Die trockene Zone erlaubt ebenso die Haltung von Ziegen und von Schweinen.

Die an der Meeresküste lebenden Vezo ernähren sich vom Fischfang. Die Überproduktion wird auf den Märkten frisch angeboten oder als geräucherter Trockenfisch aufs Hochland verkauft. Als neuer Industriezweig ist der Fang von Garnelen, Krabben und Langusten im Aufbau.

In Morondava hat ein zaghafter Tourismus - zumeist Strandtourismus - eingesetzt, angeboten werden aber auch Touren zu Naturschönheiten wie Lagunen und Schluchten, dann auch Besichtigungen von Gräbern der Sakalava und von ehemaligen Königsorten. Doch infolge des schwierigen Zugangs zu diesen Orten werden solche Touren bislang als Abenteuertourismus verkauft - etwa die Fahrt zu den tsingy nördlich von Belo-sur-Tsiribihina.

Die prekären Strassenverhältnisse machen die Flussschiffahrt vielerorts zum einzigen Verkehrsmittel. So hängt die Region im Einflussbereich des Tsiribihina vom Flussverkehr ab: zwischen Belo-sur-Tsiribihina und Miandrivazo transportieren die Anwohner ihre Landwirtschaftsprodukte auf Pirogen ans Meer. Sogar der Nachschub für die Stadt Belo-sur-Tsiribihina wird während der Regenzeit mit Boutres geliefert.

Morondava selber ist Versorgungshafen für viele Dörfer und kleine Städte entlang der Westküste. Die Boutres beliefern diese Orte mit Grundbedürfnisartikeln und nehmen auch Güter der Region (vor allem getrocknete Fische) an Bord. Als Exporthafen hat Morondava keine grosse Bedeutung. Es werden etwa 6’000 Tonnen Produkte (Zucker, Trockenfisch und Holz) pro Jahr verladen.

Angeliefert werden 5’000 Tonnen pro Jahr, wobei Treibstoff und Zement den Hauptteil ausmachen. Entlang der Westküste verkehren wie seit Jahrhunderten die motorlosen boutry, arabischen Dhows vergleichbar.

Bedingt durch die Isolierung von den angrenzenden Gebieten und gelähmt durch die Unsicherheit gilt der Menabe als fast autonome Region. Belo-sur-Tsiribihina sollte eigentlich ein Verbindungsglied sein zwischen dem Menabe und der nördlich angrenzenden Provinz Mahajanga, doch ist eine Fahrt von Belo-sur-Tsiribihina nach Norden beschwerlich, abenteuerlich - und sehr oft gar nicht möglich.

Die Westküste wird immer wieder von Zyklonen heimgesucht. So zerstörte der Zyklon Kalasanjy 1989 in Belo-sur-Tsiribihina sehr viele Häuser, Kulturland und Infrastrukturen wie Schulen und Brücken. 1991 verursachten die gewaltigen Überschwemmungen des Zyklons Cynthia erneut erhebliche Schäden.

Der südliche Menabe ist dünn besiedelt, die Dichte nimmt erst wieder im Tal des Flusses Mangoky zu. Die Region um den kleinen Ort Manja hat - insbesonders während der Regenzeit - enorme Verkehrsprobleme. So werden die Landwirtschaftsprodukte über den kleinen Boutry-Hafen von Andranopasy ausgeschifft. Die Anlegestelle verfügt jedoch über keine Lagermöglichkeiten, die beiden Lagerhallen wurden vor Jahren von einem der Zyklone vollkommen zerstört.

Dabei bildet die Umgebung von Manja eine der Hauptzonen Madagaskars für den Anbau von Maniok. Früher waren auch Erdnüsse und Kaperbsen sehr wichtige Produkte, doch der Anbau dieser Exportkulturen ist stark rückläufig. So bleiben heute 60% der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Region und werden dort verbraucht.

Die südlich an den Menabe angrenzende Region wird von der Provinzhauptstadt Tulear dominiert. Die Stadt Morombe spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle. Die Bevölkerung lebt entlang der Verkehrsachsen: von Tulear nach Sakaraha, dann auch in den Tiefgebieten von Tulear nach Morombe: der Korridor von Manombo nach Befandriana-Sud erreicht eine Bevölkerungsdichte von 100 Pers/ km2. Erhebliche Bevölkerungskonzentrationen bestehen auch im alten Siedlungsgebiet entlang der Flusstäler des Onilahy und des Mangoky. Das Tal des Onilahy, seit Jahrhunderten eine Einwanderergegend für Leute aus dem Südosten, ist ein Überschussgebiet für Reis. Die mit Mangrovenwald bewachsene Küste ist nur dünn von Vezo-Fischerdörfern besetzt.

Die kaum besiedelten Waldgebiete südlich von Morombe sind sagenumwobenen, weil darin das nomadische Waldvolk der Mikea leben soll, das sich seit Jahrhunderten jeglicher Kontrolle entzieht.

Die von den Sakalava besiedelte Zone wurde durch Einwanderungen von Bara und Antanosy überlagert. Oft sind diese Einwanderungen nur arbeitsmässig bedingte Migrationen, die sehr oft nur ein paar Jahre dauern. Doch die Tendenz, sich im Immigrationsgebiet niederzulassen, besteht durchaus. So sind 95% der über 45-jährigen Antaisaka nicht in der Zone um Tulear geboren, hingegen über 80% der unter 21-jährigen. Für viele Arbeitssuchende aus dem Südosten ist Tulear allerdings bloss ein Etappenhalt von ein paar Jahren auf ihrem Weg nach Norden.

Die Region um Tulear weist eine grosse Varietät an Landschaften auf. Die mehrheitlich trockene und im wesentlichen entwaldete Region kennt sehr unterschiedlich ausfallende Regenmengen. Generell dominiert eine Savanne mit verschiedenen Palmenarten, mit Tamarinden (kily), Büschelgräsern und zuweilen auch mit Trockenwäldern.

Reisanbau wird überall betrieben, als Bewässerungsfeldbau oder als Regenfeldbau. Der Reis wird zu 70% selber konsumiert, ergänzt durch Maniok, der kaum kommerzialisiert wird, sich sehr gut in der Trockenzeit aufbewahren lässt und so die Hungerzeit überbrücken hilft. Dazu kommt Mais, der oft in Brandrodungsfeldbau (hatsake) angepflanzt wird und so zur Degradierung und Erosion der Böden beiträgt, ebenso wie die Buschfeuer und die Herstellung von Holzkohle.

Bohnen werden vor allem im Tal von Beroroha angepflanzt, dort betrug die Produktion in den 1970er Jahren um die 1000 Tonnen pro Jahr, jetzt ist sie auf unter 50 Tonnen gesunken. Süsskartoffeln, Erbsen, Linsen, Erdnüsse (kapiky) und vor allem Kaperbsen (kabaro) wurden früher in grossen Mengen angepflanzt, seit Jahren jedoch geht die Produktion tendenziell und zum Teil sehr stark zurück. Einzig Kaperbsen werden noch in nennenswerten Quantitäten angebaut und zu 90% in den Export verkauft. Der Niedergang des Erdnussanbaus wurde noch verstärkt durch die Schliessung der Ölfabrik (SNHU) in Tulear, die ihrerseits wegen mangelnder Erdnusslieferungen und veralteten Maschinen geschlossen wurde. (Dieses Unternehmen war für die Produktion von um die 3000 Tonnen Öl und 4000 Tonnen Seife pro Jahr ausgelegt.)

Baumwolle wird insbesonders im Delta des Mangoky und in der Region um Sakaraha und Ankazoabo angepflanzt. Im Delta des Mangoky wurde 1961 für das Management der Baumwollproduktion ein spezielles Unternehmen gegründet. Die mit europäischen Geldern finanzierte SAMANGOKY sollte 35’000 ha für die Baumwollproduktion einrichten, verwirklicht wurden nur 10’000 ha - und die Baumwollproduktion trat immer mehr zugunsten der Reisproduktion zurück. Während 1977 noch 6284 Tonnen Baumwolle produziert (2 t/ha) wurden, waren es zehn Jahre später nur noch 125 Tonnen (1,1 t/ha).

Die trockenen weiten Ebenen machen die Zone zu einem idealen Gebiet für Viehhaltung, die auf extensiver Basis betrieben wird.

In der Umgebung der Stadt Tulear (Ankilibe, Ifaty) gibt es mehrere Salzsalinen, produziert werden mehrere tausend Tonnen Salz. Der Absatz leidet allerdings unter der grossen Konkurrenz aus Diégo-Suarez. Auch in der Nähe von Tsiombe werden pro Jahr 1300 Tonnen Salz gewonnen, ebenso wie in Belo-sur-Mer südlich von Morondava.

Die wenig nördlich des Wendekreises des Steinbocks gelegene Hafenstadt Tulear hat mehr als 100’000 Einwohner und ist seit 1947 Hauptstadt der Provinz. Sie ist eine grossflächige Stadt mit 40 Kilometern Strassen innerhalb der Stadt.

Tulear ist vor allem eine Verwaltungsstadt. 35% der aktiven Bevölkerung arbeitet in der Verwaltung, befindet sich im Staatsdienst oder in der Armee. Weitere 45% sind im informellen Bereich tätig, sie erledigen kleine Jobs wie Pousse-pousse Zieher und fliegende Verkäufer.

Nur 5,5 % der aktiven Bevölkerung arbeitet im sekundären Bereich. Die Stadt hat sich als Industriestandort nicht durchsetzen können. Die Mehrheit der wenigen Industriebetriebe schlossen in den 1970er und 80er Jahren, so eine Fleischfabrik (JAMOKA), eine Ölmühle und Seifenfabrik (SNHU), eine Textilfabrik (SUMATEX) und eine Landwirtschaftsgerätefabrik (TOLY). Mindestens 2000 Arbeitsstellen gingen damit verloren.

Als grösseres Unternehmen funktioniert einzig die Bierbrauerei STAR weiter, sie produziert mit rund 80 Personen 60’000 hl Bier und Softdrinks pro Jahr. Angegliedert daran eine Fabrik zur Herstellung von Bierflaschenkapseln (VIFOTSY). Eine Kautabakfabrik (SOMASOA) verarbeitet rund 350 Tonnen Tabak pro Jahr.

Der Grosshandel befindet sich fast ganz in den Händen der Indo-Pakistaner, die im Handel mit Stoffen und Kleidern, Autoersatzteilen und Eisenwaren quasi ein Monopol ausüben. Madagassen sind nur im Detailhandel in den kleinen Epicerien der Quartiere und auf den Ständen der Märkte tätig. Das Gemüse auf den vier täglichen Stadtmärkten von Tulear stammt zumeist nicht aus der Umgebung, sondern wird vom Hochland hertransportiert.

Die Stadt ist Ausgangspunkt der Touristentouren durch den Grossen Süden und bietet ein paar Hotels, aber keinen Strand. So entstand im Dorf Ifaty nördlich der Stadt ein Ferienressort mit mehreren Hotels. Nach Morombe gelangen nur sehr wenig Touristen und fast gar keine nach Beroroha, obwohl von dort aus eine mehrtägige Pirogenfahrt den Fluss Mangoky hinunter äusserst interessant und abenteuerlich ist. Der Mangoky wird von den Bewohnern auf 150 Kilometern genutzt, um ihre Landwirtschaftsprodukte per Piroge aus der Zone hinauszuschaffen.

Fahrten auf dem Onilahy ab Tongobory werden angeboten und verbunden mit einem Besuch der sieben Seen. Etwas südlich des Onilahy befindet sich das einsame Réserve Naturelle Tsimanampetsotsa um einen See, in dem blinde Fische schwimmen und an dessen Ufern sich tausende von rosa Flamingos aufhalten.

Doch nicht nur für die Bedürfnisse des Tourismus, sondern vor allem für den Austausch von Produkten ist die Infrastruktur ungenügend ausgebaut, zum einen sind die Strassen in schlechtem Zustand, zum anderen werden die Transportmittel von wenigen Händlern monopolisiert.

Der Hochseehafen von Tulear empfängt 50’000 Tonnen Güter pro Jahr. Die Anlegestelle für Schiffe mit einem Wassergang von maximal 7,3 Metern befindet sich fast einen Kilometer vom Ufer entfernt und ist mit dem Festland durch eine Dammstrasse verbunden. Der Hafen, ausgelegt auf 100’000 Tonnen Güterumschlag pro Jahr, ist nur zu 63% ausgelastet.

In Morombe werden 500 Tonnen pro Jahr per Schiff gelöscht, der Grossteil davon ist Treibstoff. Morombe hat keine Hafenanlagen, die rund 30 Boutrys pro Jahr fahren an den Strand heran und stehen bei Ebbe auf dem Sand. Die Treibstoff-Schiffe werden durch Leichter entladen.

Die Boutrys fahren auch Manombo nördlich von Tulear und Soalara in der Bucht von Saint-Augustin an. Generell werden die Orte entlang der Südwestküste praktisch nur per Segelfrachter bedient.

Die Strasse der Küste entlang nach Morombe und weiter nach Manja sollte eigentlich landwirtschaftliche Produkte evakuieren: Reis, Maniok, Kaperbsen, Baumwolle. Doch viele Zonen sind nur in der Trockenzeit und nur mit Ochsenkarren zu erreichen. Während sechs bis acht Monaten sind sie so gut wie abgeschnitten von der Umwelt.

Eine Piste verbindet Tulear mit Fort-Dauphin und führt durch eine benachteiligte Zone von grosser Trockenheit. Kurz vor dem Überqueren des Onilahy bei Tongobory fällt die Strasse hundert Meter über eine Bruchstufe ins Mahafaly-Plateau ab. Während das Onilahy-Tal und die Küstenstreifen ziemlich bevölkert sind, ist das Mahafaly-Kalksteinplateau praktisch unbewohnt. Der Schriftsteller Robert Mallet schrieb von dieser Dornbuschsavanne, dass in diesem Wald ohne Blätter einzig die Stacheln Schatten geben.

Das Landschaftsbild wird dominiert von einer Buschsavanne mit Didiereaceen und Kaktus (raiketa). Die Küstenregion unterliegt dem Einfluss der Südwinde (tsiokantimo), die zeitweise sehr heftig wehen. Maniok wird gepflanzt, auch etwas Süsskartoffeln und Mais. Reis gedeiht nur an wenigen Gunstorten mit genügend Wasser. Fischerei wird entlang der wenigen Küstendörfer betrieben.

Die Region des Südens ist ein traditionelles Emigrationsgebiet: die Leute, insbesonders die Männer, verdingen sich für ein paar Jahre auf den Zuckerrohrplantagen von Ambilobe und auf Nosy Be.

Wasser ist das grosse Problem dieser Region. Das Regenwasser stagniert oft wochenlang und bleibt die einzige Quelle für Mensch und Tier. Während der Trockenzeit werden Gruben in die ausgetrockneten Flussläufe gegraben, um in den Sandteichen etwas Wasser einfliessen zu lassen. Aus mangelnder Hygiene und unsauberem Wasser resultieren viele Krankheiten, die mit Wasser in Verbindung stehen, insbesonders Durchfall, unter dem die Mehrzahl der Kinder leiden.

Unter der sehr wasserdurchlässigen Bodenschicht aus Kreide, Sand und Kalk findet sich jedoch Untergrundwasser, das durch Ziehbrunnen von durchschnittlich zehn Metern erschlossen wird. Man sagt im Süden: das Wasser fällt vom Himmel, fliesst über den Boden und versteckt sich unter der Erde. Konflikte zwischen Hirten und Bauern, zwischen nomadisch lebenden Viehhaltern und sesshaften Ackerbauern sind häufig. Es geht häufig um Land, aber ebenso um Wasser.

Viehhaltung ist die Lieblingsbeschäftigung der Männer, die aber auch Ziegen und Fettschwanzschafe halten. Der Diebstahl von Vieh ist längst nicht mehr Sport sondern blutiges Geschäft. Als Gegenmassnahme wurde die Aktion 'Dinan'ny mpihary omby' lanciert mit der Devise: 'ein Rind gestohlen gleich das Dorf attackiert'. Das Dorf als Einheit sollte seine eigene Verteidigung gemeinschaftlich organisieren. Denn die staatlichen Stellen sehen sich ausserstande, den Viehdieben Einhalt zu gebieten. Zudem hat die 'opérations anti-dahalo' der Militärs und der Gendarmerie oft ebenso viele Opfer beim beraubten Dorf verursacht wie unter den Dieben.

Im mittleren Süden sind einige Bodenschätze bekannt. Das Kohlevorkommen entlang des Flusses Sakoa wurde schon während der 1930er Jahre ausgebeutet und gar mit einer Bahnlinie von Ankinany nach Beheloka zum Meer hin abtransportiert. Die Schienen kann man heute noch sehen. Doch diese Kohlen bleiben - vorläufig - ebenso unausgebeutet wie die zwei Millionen Tonnen Kaolin-Vorkommen südlich von Ampanihy und die 30 Millionen Tonnen Eisenerz südlich von Betioky. Einerseits wegen der geringen Qualität der Vorkommen (besonders bei der Kohle), andererseits wegen Mangel an Finanzen. Mit dem Kaolin könnte man eine Porzellanindustrie aufbauen und mit der Kohle eine Zementfabrik betreiben, von der die Region Tulear immer wieder träumt.

Eine Industrie existiert im mittleren Süden nicht. Eine gewichtige Rolle mit regionaler Ausstrahlung spielte die 'Coopérative Mohair' von Ampanihy, die 1949 gegründet wurde und die Wolle der eingeführten Mohair-Ziegen zu Teppichen verarbeitete. Das florierende Geschäft kam ins Trudeln, wurde als Entwicklungshilfeprojekt rehabilitiert und schlief dann endgültig ein. Heute arbeiten noch ein paar Weberinnen auf privater Basis, doch die Wolle der Ziegen hat durch genetische Degenerierung der Angora-Ziegen an Qualität verloren.

Gegen Osten hin nimmt die Bevölkerungsdichte trotz des semi-ariden Klimas und den grossen Wasserproblemen besonders an der Küste um Ambovombe wieder stark zu. Kleine rechteckige Häuschen, aus Pflanzenmaterial hergestellt und recht windschief anzusehen, säumen vermehrt die Strasse. Zwischen dem Fluss Menarandra und Amboasary leben die Antandroy vom Anbau vor allem von Maniok, dann auch von Mais und Süsskartoffeln und - wo das Wasser es erlaubt - von Reis, zumeist für den Eigenkonsum. Auch sie stehen immer wieder unter einem grossen Bevölkerungsdruck und wandern daher in andere Gegenden aus.

Der Norden dieser Südzone, um Betroka, wird von den sehr mobilen, viehzüchtenden Bara bewohnt. Die Bara weichen ihrerseits dem Druck der eingewanderten Antanosy aus und ziehen vermehrt gegen Westen.

Innerhalb dieser Zone gibt es auch mehrere Monate dauernde Transhumanzbewegungen von 100 bis 200 Kilometern, die Hirten sind auf der ständigen Suche nach Wasser und Weide für das Vieh.

Zwischen Fort-Dauphin und Ambovombe wird etwas Tabak angebaut. In der gleichen Gegend wird in Ranopiso rotes Piment (pilou-pilou) geerntet und zum guten Teil exportiert. Auch Medizinalpflanzen werden gesammelt und exportiert, 1978 waren es 900 Tonnen, darunter das Immergrün (catharantes roseus), das eine Zeitlang plantagenartig in der Region von Ambovombe angepflanzt wurde.

Ambobombe, die 'Hauptstadt' der Antandroy mit ihren 50’000 Einwohnern, ist ein wichtiger Kreuzungspunkt: einerseits führt dort die Strasse nach Tulear weiter, andererseits geht die RN 13 - als schlechte Piste - nach Norden auf das Hochland. An diesem verkehrsgünstig gelegenen Punkt haben sich sehr viele Transportunternehmer niedergelassen.

In der Gegend von Amboasary siedeln zugewanderte Arbeitskräfte während ein paar Monaten im Jahr. Sie finden eine saisonale Beschäftigung auf den 20’000 ha grossen Sisalplantagen von Amboasary, die 1000 Saisonarbeiter beschäftigen. Die Produktion schwankt zwischen 1500 und 2000 Tonnen pro Jahr. Amboasary lebt vom Sisal, doch von den 12 Sisalfabriken sind nur noch 5 in Betrieb. Sisal wird grösstenteils in Faserballen exportiert. Nur in Bezavo bei Fort-Dauphin verarbeitet eine Fabrik (SIFOR) Sisal zu Schnüren, Seilen und 2000 Paaren Espadrilles (Leinenschuhe mit Sisalsohlen).

Die RN 13 gelangt östlich den Sisalfeldern von Amboasary abrupt in den humiden Einflussbereich des Ostküstenklimas. Die Landschaft ändert ebenso schnell von Trockensteppe in Sekundärvegetation (savoka) mit den Ravenala, die nach der Abholzung der Primärvegetation entstanden.

In der Umgebung von Fort-Dauphin leben die Antanosy (Leute der Inseln), die immer wieder gegen Westen auswandern, sei es aufgrund ihres hohen Bevölkerungsdrucks oder aufgrund von Unzufriedenheit mit der jeweiligen Regierung. So wanderten 1825 und 1845 mehrere Zehntausend Antanosy gegen Westen an den Onilahy-Fluss aus und gründeten dort eine heute noch bestehende grosse Antanosy-Kolonie. In der Gegend um Fort-Dauphin leben die Antanosy von Ackerbau meist auf Subsistenzniveau, einzelne Familien bauen etwas Kaffee an. Im Hügelgebiet nördlich von Fort-Dauphin machen sie auch Brandrodungsfeldbau (tavy): durch tavy werden in der Region von Fort-Dauphin pro Jahr 700 ha Wald zerstört.

Die Stadt Fort-Dauphin zählt 48’000 Einwohner. Sie ist ein ökonomischer Pol des Südens und einer der wichtigen Attraktionspunkte Madagaskars für Touristen. Zu bieten hat die Region den Park von Berenty, kilometerlange Strände und romantische Flussfahrten.

Wichtig in den letzten Jahren wurde der Export von Langusten und Krabben nach Europa und La Réunion und von getrockneten Algen in die USA.

Die Region weist Vorkommen an Edelsteinen und Halbedelsteinen auf. 180 Millionen Tonnen Bauxit lagern in Manantenina und Titaneisenerz in der sandigen Küstenzone um Fort-Dauphin. Bislang wird einzig Mica ausgebeutet, pro Jahr werden etwa 400 Tonnen exportiert. Der Abbau von Mica beschäftigt 300 Personen.

Fort-Dauphin ist der Endpunkt für die Strassenfahrzeuge. Der Ostküste entlang nach Norden existiert zwar eine Piste - in einem lamentablen Zustand - bis Manantenina. Von Fort-Dauphin bis zur Provinzgrenze in Maroroy sind sieben Flüsse mit Fähren zu überqueren. Falls die Fähren in Betrieb sind, ist jedoch die Strasse unpassierbar: Morast und Schlammlöcher, Flüsse und Bäche verhindern eine Fahrt nach Vangaindrano und Manakara.