Provinz Fianarantsoa

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FARITANY FIANARANTSOA: Reis und Lavaka

Die 102’400 km2 grosse Provinz Fianarantsoa bedeckt 17,5% der Landesfläche Madagaskars. Rund 3 Millionen Leute bewohnen diese drittgrösste Provinz des Landes. Mit 29 Personen pro km2 ist sie wesentlich dichter besiedelt als der Landesdurchschnitt von knapp 20 Personen pro km2 und damit die nach Antananarivo am dichtesten besiedelte Provinz. Dabei sind aber erhebliche Unterschiede innerhalb der Provinz auszumachen. Mit über 60 Personen pro km2 sind das Hochplateau und die Ostküste (bis zu 200 Pers/ km2) dicht besiedelt, dort haben sich gebietsweise überbevölkerte Besiedlungsenklaven gebildet, während im Westen und Süden der Provinz über grosse Zonen keine 5 Personen pro km2 leben.

Das dichtbesiedelte Kernland von Fianarantsoa liegt auf dem Hochplateau und erstreckt sich entlang der RN 7, die von Antananarivo nach Tulear führt und in Betsileoland das Rückgrad der Provinz bildet. Diese Strasse führt durch wellige Hügel, durchzogen von reisbebauten Talsenken. Entlang der RN 7 zieht sich ein Band von 30 bis 40 Kilometern Breite mit einer hohen Bevölkerungsdichte. In den Senken von Ambohimahasoa, Fianarantsoa und Ambalavao erreicht die Dichte über 100 Pers/ km2.

Dieser Hochlandkorridor war die Wiege der alten Betsileokönigreiche: Lalangina, Isandra, Arindrano und Manandriana. Symbolisch finden sich diese vier Reiche im Provinzwappen als Sterne nebst einem aufrecht stehenden Erinnerungsstein.

Das Hochland fällt gegen Osten hin steil ab, während es gegen Westen und Süden leicht auswallt und zuweilen in grosse Ebenen übergeht, wie die auf rund 800 müM gelegenen Talflächen in Mangataboahangy, Ikalamavony, Zomandao, Tsitondroina bis hin zum Plateau von Horombe.

Die Regenfälle auf dem Hochland liegen bei 1370 mm (Ambohimahasoa) und 1000 mm (Ambalavao), konzentriert auf eine Regenzeit von November bis März, die gleichzeitig die heisse Zeit ist. Die Stadt Fianarantsoa weist im Januar eine durchschnittliche Temperatur von 21° auf, im Juli liegt sie bei 14°. Während das Hochplateau zwei klare Jahreszeiten kennt, ist das Klima der Ostküste heiss und feucht, der Westen und Süden hingegen trocken.

Die Falaise im Osten des Hochplateaus bestimmt auch den Verlauf der Flüsse. Während der Mania, Matsiatra und Ihosy gegen Westen fliessen und ihre Zuflüsse oft mehrere Monate trocken sind, schiessen die kurzen Flüsse Sakaleona, Mananjary, Namorona und viele mehr vom Steilgebirge - oft in Wasserfällen - hinunter gegen Osten und beruhigen sich erst in den Lagunen der knappen Küstenzone. Auch die westlich ziehenden Flüsse können während der Regenzeit Verwüstungen anrichten, so überflutet der Matsiatra jährlich 2000 bis 3000 ha Kulturland.

Die Provinz umfasst eine Vielzahl an verschiedenen Völkern. Die Bevölkerungsmehrheit der Betsileo lebt auf dem Hochplateau und hat sich durch ihre Reisterrassen ins Land eingraviert, die oft wie die Stufen eines Amphitheaters aussehen.

Die traditionellen Häuser aus getrockneten Backsteinen und mit den mit Stroh bedeckten Satteldächern markieren die Landschaft.

Die um Ihosy lebenden Bara sind Viehhalter mit extensiver Weidewirtschaft in Westen. Die Bara-Bory sind Mischlinge zwischen Betsileo und Bara. Die Tanala besiedeln die Falaise und bauen Reis (Brandrodungsfeldbau) und Kaffee an. Die Zafimaniry siedeln in den Waldgebieten südöstlich von Ambositra und haben sich als Holzarbeiter und Holzschnitzer einen Ruf geschaffen.

Die Ostküste wird von Norden nach Süden von Betsimisaraka, Antambahoaka, Antaimoro, Zafisoro, Antaifasy und Antaisaka bewohnt. Nicht immer konfliktlos, wie gelegentliche Zusammenstösse zwischen Zafisoro und Antaifasy zeigen.

Typisch sind die Reisfelder in den Tälern und die Terrassenfelder an den Hängen der Hügel. Während das Hochland vom Reisanbau dominiert wird, eignet sich die Ostküste insbesonders für den Anbau von Kaffee. 50’000 Tonnen werden pro Saison geerntet. Maniok, Süsskartoffeln, Bohnen und Mais werden vor allem für die Selbstversorgung angebaut.

Schweinezucht ist für Betsileoland wichtig, ebenso wie Hühner. Fischfang wird in geringem Mass sowohl auf dem Meer als auch an den Flüssen betrieben.

Ausserhalb der Landwirtschaft bestehen nur sehr beschränkte Möglichkeiten an Arbeitsplätzen. Zudem sind die wenigen Unternehmen fast ausschliesslich auf die Stadt Fianarantsoa konzentriert.

Kunsthandwerk findet sich nur an wenigen Orten. Etliche Bauern verdienen sich etwas hinzu, indem sie Backsteine herstellen, insbesonders entlang der Hauptachse RN 7. Als kleinen Nebenerwerb nebst der Arbeit in der Landwirtschaft flechten die Frauen Körbe und Matten.

Kommunikation ist eines der grossen Probleme der Provinz, die zwar von der RN 7 in Nord-Süd Richtung durchzogen wird und über eine Stichstrasse (RN 25) an die Küste führt. Die Eisenbahn von Manakara nach Fianarantsoa erschliesst eine weitere Region. Daneben jedoch gibt es unzählige Enklaven, Täler und ganze Regionen, die nur mit Ochsenkarren, per Piroge oder zu Fuss zu erreichen sind.

Im fruchtbaren Hochland herrscht ein grosser Druck auf Land, was zu wiederholten Emigrationen, besonders in den 1960er Jahren, in den Westen geführt hat. Dadurch sind im Moyen-Ouest Zentren von Reisproduktion entstanden.

Im trockenen Westen wird extensive Weidewirtschaft getrieben, ausser dort, wo Neueinwanderer seit wenigen Jahrzehnten Reis und Maniok anbauen. Die Bevölkerungsdichte nimmt gegen Westen stetig ab und erreicht Regionen, die so gut wie menschenleer sind. Diese Regionen stellen für die Betsileo eine Art verheissenes Land dar, in das sie auch heute noch einwandern auf der Suche nach Ackerland. Hindernd sind die mangelnde Sicherheit und die ungenügenden Kommunikationsmöglichkeiten.

Das Landwirtschaftsjahr des Hochlandbauern wird von der Regenzeit bestimmt, die meist zwei Ernten ermöglicht. Für die zweite Ernte werden die Reisschösslinge im Oktober bis Dezember umgepflanzt und die Ernte im März bis Juni eingeholt.

Der Reis der zweiten Saison wirft die Haupternte des Jahres ab und bringt rund viermal mehr als der Reis der ersten Saison. Reis dient in erster Linie dem Selbstkonsum, je nach Region und Familie wird allerdings zwischen 20 und 50% verkauft. In Betsileoland bilden Reis, Bohnen, Maniok, Erdnüsse und Mais die Hauptverkaufsprodukte.

Die Arbeiten auf den tanety müssen vor Dezember abgeschlossen sein, ausser für die Süsskartoffeln, die im Februar/März gesetzt werden und meist zusammen mit Mais angebaut werden. Maniok kann zu fast jeder Jahreszeit gepflanzt werden und wirft 10 Tonnen pro Hektare ab. Auf den tanety werden Süsskartoffeln, Maniok, Mais und auch Erdnüsse angepflanzt. Der Reisanbau auf den tanety ist praktisch unbedeutend.

In den Reisfeldern der Talsohle wird mit Zugochsen und Pflug gearbeitet, 7 von 10 Familien besitzen einen Pflug. Die Egge wird weniger gebraucht, bevorzugt wird nach wie vor das Weichtrampeln der Erde durch Rinder. Traktoren sind, wie in ganz Madagaskar, nur äusserst selten in Gebrauch. Auf den steileren Feldern jedoch muss nach wie vor von Hand gearbeitet werden. Die Arbeiten sind hart und zeitraubend. Ein Mann kann in zwei Monaten Arbeit nicht mehr als 40 Aren bearbeiten.

Die Betsileo Bauern des Hochlandes sind zu mehr als 90% Besitzer ihrer Felder und haben den Ruf, gegenüber Neuerungen aufgeschlossen zu sein. Sie haben die innovative Praktik des 'ketsa-tanora' weitgehend aufgenommen: dabei werden die Reisschösslinge nur 40 Tage in den Anziehbeeten gelassen und früher als traditionell üblich auf die Reisfelder umgepflanzt. Ebenso wird der Reis in Linie angepflanzt und werden Dünger und ertragreicheres Saatgut benutzt. Dies hat zu einer deutlichen Steigerung der Reisproduktion in Betsileoland geführt. Der Ertrag liegt bei rund 2 Tonnen pro Hektare.

In Sahambavy wird als einziger Region Madagaskars seit 1975, ursprünglich als Entwicklungsprojekt, Tee angepflanzt. 1989 ging die Anlage in englische Hände über. 224 Hektaren werden vom Unternehmen direkt bepflanzt und beschäftigen rund 100 Angestellte, zudem werden 110 Hektaren von 220 kleinbäuerlichen Betrieben unterhalten. 1989 wurden 33 Tonnen Tee gewonnen und zum grössten Teil nach England exportiert.

In der Region von Fianarantsoa und Ambalavao widmen sich viele Bauern als Nebenerwerb dem Rebbau, der auf die katholischen Missionare zurückgeht. In den siebziger Jahren wurde die Schweizer Entwicklungshilfe in diesem Bereich tätig: Ziel war, eine Genossenschaft zu gründen und den Kleinbauern einen Zusatzverdienst zu verschaffen, sowie durch den im Lande hergestellten Wein Devisen zu sparen. 1985 wurde die FFMV (Fédération des associations des viticulteurs) gegründet, angeschlossen sind rund 1000 Kleinbauern. Die FFMV verwaltet 5 Weinkeller und eine zentrale Weinkellerei. Ihre Produkte der Marke Lazan'i Betsileo finden im ganzen Land Absatz. Daneben bestehen noch etliche weitere private Weinkellereien, die sich oft in chinesischem Besitz befinden.

Eines der grössten Aufforstungsprojekte Madagaskars befindet sich in der Provinz Fianarantsoa. Die Opération Haute Matsiatra forstete von 1953 bis 1978 mehr als 34’000 Hektaren zwischen der Provinzhauptstadt und Ambohimahasoa auf. Ursprünglich sollte das Holz für eine Papierfabrik in Fianarantsoa benutzt werden. Die in den 1960er Jahren geplante Fabrik wurde jedoch nie gebaut, und seit ein paar Jahren hat diese opération ihren einstigen Schwung verloren. Die in diesem Gebiet tätige Forstschule mit einer angegliederten Sägerei vermag den illegalen Holzschlag kaum zu unterbinden.

Fruchtbäume ermöglichen eine weitere Einnahmequelle der Bauern auf dem Hochplateau des Betsileolandes: in Ambohimahasoa bilden Orangen und Pfirsiche 70% der Fruchtbäume. Mehr als ein Viertel des madagassischen Tabaks wächst in Betsileoland, insbesonders um Ambalavao werden pro Jahr um die 500 Tonnen getrockneter dunkler Tabak vom Monopolunternehmen OFMATA eingesammelt.

Die Viehhaltung ist auf dem Hochplateau weit verbreitet. Die Rinder werden für das Weichtrampeln der Reisfelder und als Zugtiere eingesetzt. Gegen Westen hin nehmen die Viehdichte und die extensive Weidewirtschaft zu, ebenso wie die Viehdiebstähle. 700’000 Rinder weiden in der Provinz, wobei 40% davon im Moyen-Ouest leben. Die Gebiete der tanety bieten allerdings nur mittelmässige Weide, zudem werden die Gräser regelmässig durch Buschfeuer zerstört. Unsicherheit (dahalo) und ungenügende veterinärische Kontrollen erschweren die Viehhaltung.

Der Viehmarkt von Ambalavao ist der zweitwichtigste in Madagaskar. Mehr als 80% der Tiere dieses Marktes werden in die Provinz Antananarivo und an die Ostküste verkauft. Doch die Zahl der gehandelten Tiere nimmt infolge der Viehdiebstähle und der vermehrten Unsicherheit konstant ab. 1986 wurden 48’000 Rinder auf dem Markt verkauft, 1989 waren es nur noch 36’000.

Im Kerngebiet der Provinz liegen die Städte Fianarantsoa, Ambalavao und Ambohimahasoa. Sie sind Dienstleistungs- und Handelsstädte mit nur beschränkter Ausstrahlung.

Die Provinz Fianarantsoa ist die am wenigsten industrialisierte Provinz Madagaskars. Es bestehen ein paar Kleinstindustrien mehr handwerklicher Art wie die Fabrikation von 'Papier Antaimoro' in Ambalavao, die seit 1980 besteht, 36 Leute beschäftigt und ihre Produkte hauptsächlich nach Europa exportiert. In Ambalavao blühte früher auch die Herstellung von Seidenlambas, die von den Hochlandfrauen um die Schultern getragen wurden und heute in der Mehrheit durch billigere Stoffe ersetzt sind.

Die wenigen grösseren Unternehmen sind auf die Stadt Fianarantsoa konzentriert und vermögen aber nicht eine genügende Anzahl an Arbeitsplätzen zu bieten. In der Stadt kommen auf eine aktive Person drei Arbeitslose. Das Unternehmen SOPRAMEX, von Staatshänden inzwischen in italienischen Besitz übergegangen, produziert Pflanzenextrakte für medizinische Zwecke, die Produktion von 1,5 Tonnen pro Jahr geht in den Export.

Das Unternehmen SMTC stellt Plastikartikel her und beschäftigt rund 80 Leute.

Das Staatsunternehmen IMI (Institut Malgache de l'Innovation) weihte 1987 seine neuerstellte Fahrzeugfabrik ein und nahm die Montage von Karenjy-Autos auf der Basis von importierten Renault Chassis und Motor auf. Der madagassisch produzierte Anteil sollte nach Planvorgabe 70% bei Erreichen des Solls von 120 Fahrzeugen pro Jahr sein. Doch im Krisenjahr 1991 kam die Produktion der Fahrzeuge ins Stocken und wurde danach eingestellt.

Die Stadt Fianarantsoa mit 4300 Abonnenten erhält ihre Elektrizität von der Zentrale Namorona in unmittelbarer Nähe der Wasserfälle des Namorona-Flusses. Diese Zentrale sollte nach ihrer Erbauung in den 1960er Jahren den Impuls zu einer Industrialisierung liefern: der Strom kam, die Industrie nicht. Die jetzige Zentrale wurde 1984 mit japanischer Hilfe gebaut.

Der Siedlungsplatz auf dem Berg Kianjasoa in der heutigen Stadt Fianarantsoa wurde schon unter dem Königreich von Lalangina benutzt. Als Stadt und Kopie von Antananarivo wurde er aber erst unter Königin Ranavalona I ab 1830 als Garnisonsstadt ausgebaut und die rova auf der 1269 müM gelegenen Spitze des Felsens Ivognea erstellt. Dort wurden auch die Kirchen und Schulen der frühen Missionare erbaut. Die protestantische Kirche von Antranobiriky war 1870 das erste Gebäude der Stadt aus Backsteinen.

Die koloniale Verwaltung installierte sich auf der 'zweiten Etage' auf dem Plateau von Tsianolondroa, während die Fertigstellung der Eisenbahn mit dem Bahnhof in der Talebene den modernen Sektor anzog. 1904 war Fianarantsoa mit 6000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt der Insel, 1989 zählte sie 123’000 Einwohner.

In der Stadt mit ihren 12’500 Wohnhäusern (Dichte pro Haus: 9 Personen) finden sich nebst den provinzialen Verwaltungsstrukturen, Banken und Versicherungen auch höhere Schulen und die von über 2000 Studenten (1989) besuchte Universität (Mathematik, Physik, Chemie, Informatik und Jurisprudenz).

Die Hauptstadt der Provinz und die wichtigste Stadt des Betsileolandes ist kein stimulierender Pol für die umliegenden Regionen. Ausser vielleicht während des wöchentlichen zoma, wenn bis zu 2000 Händler in die Stadt kommen. Landesweite Verbreitung kennt allerdings die seit 1927 erscheinende katholische Wochenzeitung 'LAKROAN'I MADAGASIKARA' mit einer Auflage von 23’000 Exemplaren.

Fianarantsoa ist kein aktives Produktionszentrum, sondern eher eine etwas stagnierende Service- und Handelsstadt mit wenigen Grosshändlern, die ihre Produkte an Zwischenhändler in der Provinz verkaufen. Der Grosshandel befindet sich meist in den Händen von chinesischen und indischen Kaufleuten.

Typisch für Fianarantsoa sind die selbstgebauten Holzkarren (varamba), die bis zu 500 Kilo Güter transportieren und von Jungs geschoben werden. Die gleichen Holzkarren finden sich auch in Ambositra.

In der Provinzhauptstadt endet die Eisenbahnlinie von Manakara. Die 163 Kilometer lange Eisenbahn wurde von 1927 bis 1935 erbaut und führt über 50 Brücken und durch 56 Tunnel von der Küste über den steilen Ostabhang auf das Hochland. Sie gilt als eine der schwierigsten Realisationen in den ehemaligen französischen Koloniegebieten. Bergan bildet Treibstoff das Hauptprodukt, talwärts (ab dem Riftvalley von Ikongo) Kaffee. Doch die Konkurrenz der Lastwagen ist gross.

Die Zone nördlich der Stadt Fianarantsoa und nördlich des Flusses Matsiatra mit Ambositra als regionalem Zentrum wird auch Betsileo-Nord genannt. Sie grenzt beim Fluss Mania an den Vakinankaratra (Provinz Antananarivo). Die stark besiedelte Landschaft ist eine reine Durchgangszone von Antananarivo nach Fianarantsoa.

Die Strasse (RN 7) führt durch einen Korridor mit hoher Bevölkerungsdichte (mehr als 70 Pers/ km2). Dies hat zu einem elaborierten Nutzen der vorhandenen Felder geführt und zur typischen Landschaft des Hochlandes mit Reisterrassen, Hügeln, Flusstälern und blassroten Häusern. Sind die Häuser aus Backsteinen erbaut, gilt dies als Zeichen von ländlichem Wohlstand. Zu Reis werden in Fruchtwechsel Gemüse und insbesonders Weizen angebaut, der vollumfänglich an die KOBAMA verkauft wird. Die Bevölkerung kennt keine Landbesitzprobleme, die Bauern bearbeiten zu 95% ihr eigenes Land, doch durch Vererbung haben sich kleine Parzellen gebildet, die oft für eine Familie nicht mehr ausreichen.

Die Bevölkerung baut Mais, Bohnen, Kartoffeln und Erdnüsse an, die zum grossen Teil (75%) verkauft werden. Reis wird vor allem selber konsumiert, nur 30 bis 40 % wird verkauft. Zuckerrohr wird zu Rum verarbeitet.

Die Regenzeit dauert um Ambositra von Oktober bis April, es regnet 1200 bis 1500 mm pro Jahr. Auch in der kalten Saison gibt es Nieselregen. Die mittlere Temperatur variiert zwischen 14 und 21 Grad. Die Region wird durch die beiden Hauptflüsse Mania und Matsiatra gegen Westen hin entwässert, beide sind Zuflüsse des Tsiribihina.

Die vielen Flüsse und Bäche werden kaum befischt, hingegen hat die Fischerei in den Reisfeldern eine Entwicklung erfahren.

Trotz der vielen Niederschläge bleibt die Zufuhr von Wasser für den Reisanbau das Hauptproblem der Bauern - nebst dem Vorhandensein von Land. Mangels Wasser wird der Reis der ersten Saison (Umpflanzen August/September und Ernte im Dezember/Januar) nur auf wenigen Feldern angepflanzt. Hingegen sind 80% der Felder mit Reis der zweiten Saison (Ernte im April/Mai) bestanden. Trotz des relativen Reichtums der Bauern werden keine Traktoren eingesetzt, unter anderem auch, weil die Felder oft sehr klein sind. Der Reis ergibt im Schnitt 2,2 Tonnen pro Hektare. Wird Kuhdung eingesetzt und in Linie angebaut, ergibt sich eine Ernte von bis zu 3,5 Tonnen. Diese hohe Ernte ist in der Region von Fandriana und Soavina nicht ungewöhnlich.

Auf den tanety werden Mais gepflanzt (Ernte 1 Tonne pro Hektar). Eine gewisse Bedeutung hat in der Region um Ambositra auch die Bienenzucht, die allerdings durch die fortschreitende Entwaldung und die regelmässigen Buschfeuer behindert wird. In der Region um Ambatofinandrahana, Manandriana und nördlich von Ambositra findet sich noch immer eine Zucht von Seidenraupen auf den tapia-Bäumen (Uapaca bojeri). Aus der Naturseide werden Lamba mena hergestellt, dies vor allem in Fandriana, Tatamalaza und Sandrandahy und Ambositra. Von dieser Aktivität leben in der Region von Ambositra rund 100 Leute.

Die Betsileo machen 90% der Bevölkerung aus. Ergänzt durch eingewanderte Merina (Verwalter und Händler) und im Westen durch die viehhaltenden Bara.

Die Region leidet unter einem grossen Bevölkerungsdruck, was immer wieder zu Abwanderung - saisonal und permanent - führt.

Die saisonalen Abwanderer sind vor allem Männer, die in Antananarivo oder Mahajanga zeitweilig Arbeit suchen.

In den 1960er Jahren wanderten viele Betsileo der Region ins Tal des Mania (Soavina - Ambondromisotra nordwestlich von Ambositra) aus und gründeten dort eine prosperierende Gemeinschaft: jede Familie besitzt ein Zugochsenpaar. Andere wanderten nach Antananarivo, Lac Alaotra oder in die Region von Mahajanga aus.

Östlich von Ambositra nimmt die Bevölkerung schnell auf 20 bis 30 Pers/ km2 ab. In der isolierten und noch weitgehend von Wald bedeckten Region leben die Zafimaniry, deren Holzschnitzereien in ganz Madagaskar bekannt sind. Doch auch dort machen sich die Abholzungen bereits bemerkbar. So haben etliche Zafimaniry mit dem Anbau von Reis begonnen - oder sind abgewandert.

Im alten und früher befestigten Ort Ambositra macht der Durchreisende nur einen schnellen Etappenhalt. Das Landstädtchen hat von der Dynamik der RN 7 nur eine beschränkte Stimulation erfahren. Doch die Stadt ist die Drehscheibe einer Region, deren Strassen meist Sackgassen sind. Es gibt die Verbindung nach Westen (Morondava) nicht mehr, an die Ostküste führen nur glitschige Fusswege.

Der lokale Viehmarkt hat eine gewisse Bedeutung, doch viel Vieh ist im Transit aus dem Süden und Westen auf dem Weg nach Norden und Osten. Für die umliegende Bevölkerung ist Ambositra ein Zentrum mit Spital (Pest ist endemisch in der Region um Ambositra), Banken und Schulen. In der Stadt leben über 300 Händler. Der Ort ist ein wichtiger Stützpunkt der katholischen Kirche mit Schulen, Seminarien und Klöstern. Ambositra und insbesonders Fandriana haben den Ruf, die besten Schulen und die beste Schulbildung Madagaskars zu bieten.

Wichtig sind auch die Verkaufsläden für die Zafimaniry-Schnitzereien in Ambositra. In der Stadt selber leben rund 70 Schnitzer von ihrer Arbeit.

In Ambositra befindet sich der weisse Elefant HODIMA und eine Zündholzfabrik. Die HODIMA wurde südlich der Stadt Ambositra gebaut und sollte Rinderhäute zu Leder verarbeiten. Beim Planen vergass man aber, dass die Region kein ausgesprochenes Rindergebiet ist und dass die Abwässer - ungereinigt - sich in die Reisfelder ergiessen würden. Die Fabrik, obwohl mit Maschinen ausgerüstet und betriebsbereit, hat nie funktioniert. Die Zündholzfabrik AFOMA, auf privater Basis mit indischer Technologie geschaffen, nahm 1991 den Betrieb auf.

Gegen Osten hin fällt das Hochland in die bewaldete Falaise ab, gegen Westen hin nimmt die Bevölkerungsdichte (bis auf weniger als 2 Pers/ km2) ebenso wie der Anbau von Reis stark ab, Viehzucht ist dominant, allerdings gefährdet durch die Aktivitäten der dahalo. Die Dörfer sind weit verstreut und isoliert. Diese Region hat erhebliche - noch grösstenteils unausgebeutete - Bodenschätze, insbesonders Marmorvorkommen in Ambatofinandrahana, aber auch Aragonite, Kaolin, Kupfer, Beryll, Quarz, Eisen. Einzig Kupfer und Schiefer wurden während der Kolonialzeit ausgebeutet. Noch heute sieht man in Ambatofinandrahana altehrwürdige Häuser mit noch intakten Schieferdächern. Der Abbau von Marmor begann 1967 durch das Unternehmen SEVMACAM und entwickelte sich gut, doch 1989 gab das Unternehmen auf. Die Aktivitäten wurden 1991 mit italienischem Kapital wieder aufgenommen. Auch Edel- und Halbedelsteine finden sich in der Region und werden eher auf spontaner Basis gewonnen und verkauft.

Von Fianarantsoa führt die RN 7 über Ambalavao nach Ihosy. Der in einem weiten Talkessel gelegene Ort Ambalavao mit seinen 10’000 Einwohnern gilt als Pforte zum Süden Madagaskars. Die Strasse wurde in den 1930er Jahren gebaut und machte aus dem kleinen Dorf Ihosy einen Etappenort zwischen Fianarantsoa und Tulear. Das Städtchen mit seiner heutigen Bevölkerung von 7000 Leuten bildet ein wichtiges Zentrum eines riesigen Hinterlandes, das jedoch in grossen Teilen aus Enklaven besteht, die nur sehr schwer zu erreichen sind. In dieser Zone, die einen Viertel der Provinz ausmacht, leben mit 127’000 Menschen allerdings nur 3% der Leute der Provinz. Die Region gehört zu den am wenigsten besiedelten Gegenden Madagaskars.

Das Klima dieser Südhälfte der Provinz ist bereits arid. Zwar fallen zwischen November und März 827 mm, doch die restlichen 7 Monate bei einem ständig wehenden Südostwind sind ausgesprochen trocken.

Westlich von Ihosy öffnet sich die auf 700 müM gelegene Ebene von Horombe. Die trockene und baumlose Savanne ist mit 1 bis 2 Personen pro km2 kaum bevölkert. Die wenigen Bewohner leiden unter einem gravierenden Mangel an Holz und Holzkohle. Buschfeuer sind regelmässig und führen zusammen mit der Winderosion zu einer dramatischen Verarmung der Böden. Die trostlose Ebene des Horombe wird von den Gebirgsdomen des Isalo begrenzt. Wie eine Oase liegt der kleine Ost Ranohira an den Felsen des Isalo. Er ist ein Etappenort für die Reisenden nach Tulear und Ausgangspunkt für touristische Wanderungen in den 815 km2 grossen Nationalpark des Isalo-Gebirges.

Die Region südöstlich von Ihosy zählt zu den isoliertesten Gegenden Madagaskars. Dominiert wird die Region von den zahlreichen Bergzügen um den Pic Boby (2658 müM). Dazwischen liegen die fruchtbaren Ebenen von Ivongo und Ivohibe. Die sehr verstreuten Siedlungen entlang der Flüsse Ionaivo und Menarahaka sind von Ihosy so gut wie abgeschnitten. Die Flüsse (Ihosy, Ionaivo und Menarahaka) öffnen Täler, flankiert durch bebuschte, meist abgeholzte Hügel und Granitgebirge. Einzig in Ivohibe und Iakora existiert noch ein substantieller Baumbestand von 187’500 ha. Der Ihosy fliesst nach Westen und ist ein Zufluss des Mangoky, während Ionaivo und Menarahaka sich nach Osten in den Mananara (Vangaindrano) ergiessen. Doch die Öffnung gegen Osten ist nicht durch eine Strasse erschlossen. Die frühere Verbindung von Ihosy nach Farafangana und Vangaindrano (RN 27) ist nicht mehr befahrbar. Die Güter zwischen Ranotsara, wo die Strasse aus Ihosy endet, und Iakora werden auf Pirogen auf dem Fluss Ionaivo transportiert oder auf dem Rücken getragen. Dies führt auch zu grossen Problemen beim Verkauf von Landwirtschaftsprodukten, ebenso wie bei der Gesundheitsversorgung und dem Schulwesen. Weit über die Hälfte der Schulen der Region sind geschlossen.

Ihosy hat auch den zweitwichtigsten Viehmarkt nach Ambalavao in der Provinz Fianarantsoa, denn Ihosy liegt näher an den Viehgebieten und konkurriert den Markt von Ambalavao in direkter Weise.

Obwohl die Region von Ihosy, die zu mehr als 80% von Bara bewohnt ist, ein ausgesprochenes Viehgebiet ist, hat die Anzahl Zebu in den letzten Jahren infolge der Unsicherheit durch die dahalo auf die Hälfte abgenommen.

Die Bara sind in erster Linie Viehhalter. Ihr Stolz und ihr ganzes Bewusstsein drehen sich um ihre Rinderherde. Das Zebu ist Sparkasse für Notzeiten, hat einen erheblichen Prestigewert und bestimmt somit den sozialen Rang des Besitzers. Doch auch die Bara sind Opfer und zuweilen Täter im System der dahalo (auch malaso genannt), das insbesonders Ende der 1970er und in den 1980er Jahren einen neuen Aufschwung nahm. Viehdiebstahl war früher ein Beweis der Männlichkeit im heiratsfähigen Alter. Seit den 1980er Jahren jedoch üben bewaffnete Banditen richtige Raubzüge auf Viehherden, Weiler und Dörfer aus und terrorisierten die Bevölkerung. Viele Bara haben ihre gesamte Herde verloren und sich vermehrt der Landwirtschaft zugewandt, sie sind allerdings keine guten Bauern. Andere sind abgewandert, um sich als Viehhirten zu verdingen.

Der ganze Süden der Provinz - wie auch der Westen und zunehmend gar das Hochland - leidet unter dem ländlichen Banditentum. Das Phänomen der dahalo müsste als dringlichste Aufgabe gelöst werden. Die Region stagniert in Unsicherheit und Abwanderung. Die einstigen Reisfelder in den Flusstälern des Ihazofotsy (entlang der RN 7 Richtung Tulear) und etlicher benachbarter Flüsse sind verlassen oder werden nur noch sporadisch genutzt. Aber auch Konflikte zwischen Ackerbauern und Viehhaltern sind häufig.

Die Leute sind gar aus den unsicheren Gegenden (Ivongo, Begogo, Menamaty Iloto) abgezogen und haben in den Zuwanderergebieten einen verstärkten Bevölkerungsdruck verursacht, insbesonders in der direkten Umgebung von Ihosy, wo in einem Umkreis von 20 km 40 Pers/ km2 leben. Die Ortschaft Ankily, drei Kilometer westlich von Ihosy an der RN 7, ist mit ihren 3000 Personen hauptsächlich aus Immigranten entstanden.

So bildet das Bassin von Ihosy eine stark bevölkerte Oase und Zufluchtsstätte inmitten einer monotonen und wenig bevölkerten Landschaft.

Die Täler der Region von Ihosy waren früher auch Einwanderungsgebiet von Betsileo und Merina, insbesonders im Osten von Ihosy (in Antambohobe sind die Hälfte Betsileo). Ebenso sind aus dem Osten über die Falaise die Antaisaka eingewandert und bilden starke Bevölkerungsanteile in der Umgebung von Iakora und Ranotsara.

In den grösseren Orten und auch in Ihosy nehmen die Merina und Betsileo auch die Stellung von Händlern ein und sind in der Verwaltung tätig. Dreiviertel aller Händler der Region sind aus anderen Regionen eingewandert.

Neue Impulse machen sich in Ihosy nur zögernd bemerkbar. Industrie gibt es keine. Einzig in Sahambano (in der unmittelbaren Umgebung östlich von Ihosy bei Befanaova) wird seit jüngster Zeit Weinbau betrieben und verarbeitet (185 hl 1989). Diese Aktivität hat zwei Dutzend Arbeitsplätze geschaffen.

In Ihosy und in Mahasoa, nördlich von Ihosy, wird seit den 1960er Jahren Baumwolle angepflanzt. Doch die Produktion ist stark rückläufig. Die Anlagen zur Verarbeitung von Baumwolle, 1982 von HASYMA in Ihosy installiert, wurde 1986 nach Tulear transferiert.

Tabak wird von rund 600 Bauern in Ankily angebaut. In Ivohibe wurde mit wenig Erfolg Kaffee (arabica) angebaut.

Trotz der latenten Wasserknappheit ist das Hauptanbauprodukt mit 70% der bebauten Fläche der Reis. Die über 30 Bewässerungsanlagen (15’000 ha) der Region um Ihosy sind zum grössten Teil ausser Betrieb mangels Unterhalt oder infolge der Abwanderung der Leute wie in Ilakaka - obwohl dieser Ort im Isalo direkt an der RN 7 liegt. Der Reisertrag liegt bei 1,3 Tonnen, aber in den fruchtbaren Ebenen von Ihosy und Ranotsara und in den Tälern von Ivohibe werden 1,7 bis 2 Tonnen pro Hektare geerntet.

Angebaut werden auch Maniok, Mais und Erdnüsse. Zudem noch etwas Süsskartoffeln, Bohnen und Zuckerrohr. Der Fruchtwechsel in Gegensaison ist so gut wie inexistent. Ein grosses Problem stellt das Fehlen von Zugtieren für die Feldarbeit dar. Viele Bauern sind genötigt, alle Feldarbeit von Hand auszuführen.

Reis wird verkauft, Mais, Bohnen und Erdnüsse ebenfalls. Maniok dient als Reservenahrung und wird kaum vermarktet.

Fischfang wird auf Familienbasis entlang der Flüsse betrieben. Ein Teil des Fangs wird frisch verkauft. Der Fluss Ihosy ist gar überfischt. Im Bassin von Ihosy wird auch Reisfischerei betrieben.

Das Hochland fällt gegen Osten hin steil ab. Die Hangzone ist noch grösstenteils mit Wald bedeckt. Dort befindet sich auch das 45’000 Hektaren grosse Naturreservat von Ranomafana. Die Falaise ist ein Kerngebiet zum Anbau von Kaffee, gepflanzt werden auch Reis und Bananen. Die Flanken des Hochlandes gehen über Hügelzüge mit degradierten Wäldern und von savoka bewachsen in die 20 bis 50 km breite und flache Küstenzone über, wo ebenfalls Kaffeeanbau und Reis dominieren. Die unmittelbare Küstenzone ist meist von Dünen und Lagunen durchsetzt und landwirtschaftlich nicht genutzt.

Das Klima ist heiss und feucht mit einer durchschnittlichen Temperatur von 20° und Regenfällen von 2400 bis 2950 mm pro Jahr, Hauptregenzeit ist zwischen Dezember und April. Die Region liegt im direkten Einfallsgebiet der Zyklone, die zuweilen bis ins Hochland steigen.

Die schwer zugängliche und noch stark waldbewachsene Falaise wird von den Tanala (Leute des Waldes) bewohnt und weist eine Bevölkerungsdichte von 25 bis 50 Pers/ km2 auf. Die Küstenzone hingegen ist stark bevölkert, wenn auch ungleichmässig. Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem in den fruchtbaren Flusstälern, wo sie, wie im Unterlauf des Matitanana 150 Pers/ km2 erreichen kann.

Die Bevölkerungsdichte nimmt entlang der Küste von Norden nach Süden zu: in Nosy Varika beträgt sie 43 Pers/ km2, in Vohipeno mehr als 100 Pers/ km2.

Die Küstenzone und ihr Hinterland wird von einer Vielzahl an Völkern bewohnt. Im Norden zur Provinz Tamatave hin wohnen die Betsimisaraka. Die eher an ihr Land gebundenen Antambahoaka sind in der Region um Mananjary am Unterlauf des Flusses Mananjary. Die sehr mobilen Antaimoro haben ihr Kerngebiet um Vohipeno am Unterlauf des Matitanana. Sie sind aber entlang der ganzen Küste von Manakara bis nach Nosy Varika verstreut.

Die Zafisoro leben nördlich von Farafangana an den Flüssen Manampatrana und Manambavana und widmen sich intensiv der Reiskultur. Seit Jahrhunderten liegen sie im Streit um Landrechte mit den Antaifasy, ein Kampf, der immer wieder aufflackert und im September 1990 etliche Tote gab.

Die Antaifasy (Leute des Sandes) leben in der Gegend um Farafangana. In früheren Jahren emigrierten sie oft als Saisonarbeiter, zum Beispiel als Landwirtschaftsarbeiter an den Lac Alaotra, um sich mit dem ersparten Geld Vieh zu kaufen.

Südlich davon im Tal des Mananara leben die Antaisaka. Auch sie haben eine alte Emigrationstradition.

Dazu kommen eingewanderte Merina und Betsileo, die vor allem in den grösseren Dörfern und oft als Händler leben. Nicht zu vernachlässigen ist die Gemeinde der Chinesen und der chinesisch-madagassischen Mischlinge, die vor allem im Handel und im Aufkauf von Exportprodukten tätig ist. Indo-Pakistaner sind an der Ostküste sehr selten.

Der Schulbesuch in der Osthälfte der Provinz liegt weit unter dem Landesdurchschnitt, unter anderem infolge der vielen isolierten Gegenden, der zerstörten Schulhäuser (Zyklone) und mangelnden Lehrern. Kaum ein Drittel der Kinder besucht die Schule. Krankenpflege ist ebenfalls prekär und dies in einer Region, die Malaria, Pest und Lepra kennt.

Mehr als 90% der aktiven Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. An der Ostküste ist der Bebauer meist auch der Besitzer des Landes, der Pächterstatus ist kaum verbreitet.

Die Landwirtschaft nimmt eine zentrale Rolle ein und hier fast ausschliesslich der Anbau von Reis zum Eigenkonsum und Kaffee als Cash Crop (Kommerzialisierung von 90% der Ernte). Die beiden Produkte bedecken 70 bis 75% der kultivierten Fläche, wobei der Reisanbau flächenmässig vor dem Kaffee kommt. Die Reiserträge sind mit 1 bis 1,4 Tonnen pro Hektare schwach. Der Gebrauch von Pflügen ist noch wenig verbreitet. Der Kaffee ist jedoch die Hauptquelle von Geld für den Grossteil der Bauern. Doch die Ernte fluktuiert, im Schnitt gibt es nur alle fünf Jahre einen guten Ertrag. Gründe dazu sind die überalterten Baumbestände, dies betrifft mehr als 50% der Kaffeebäume, Evakuierungsprobleme mangels Strassen und die Schwankungen des Weltmarktes.

Dazu werden - in geringerem Mass - Pfeffer (als Liane nutzt sie den Kaffee als Stütze und Schatten) und - insbesonders in Farafangana - Nelken gepflanzt, ebenso wie Zimt. Andere Exportprodukte werden nur am Rand angepflanzt.

Der wenig geschätzte Maniok wird als Nahrung für Notzeiten angebaut, wie auch Süsskartoffeln und Taro. Maniok und Süsskartoffel werden kaum kommerzialisiert.

Fruchtbäume (Orangen, Mandarinen, Zitronen, Avocados) finden sich bei fast jedem Haus. Bananen (Erntezeit September bis Januar) wachsen so gut wie überall und finden sich, vor allem aber auch in der Region um Ifanadiana und Mananjary. Geerntet werden um die 200’000 Tonnen pro Jahr. Die Bananen werden zu 90% eigenkonsumiert oder auch als Tierfutter (Schweine) benutzt. Zuckerrohr (Erntezeit Mai) wird in der Gegend von Ikongo und im Hinterland um Midongy und Befotaka angebaut. Aus dem Zuckerrohr wird Rum gewonnen, der in der ganzen Provinz begehrt ist.

Trotz dieser Vielfalt hat die Bevölkerung Mühe, sich zu ernähren, insbesonders auch, weil die Ernten sehr variabel ausfallen. Die Region ist defizitär in der Produktion von Reis. Obwohl der Reis mehrheitlich zum Eigenkonsum angebaut wird, wird oft ein Teil (35%) davon verkauft, denn in der période de soudure von Oktober bis Dezember geraten viele Familien in Schwierigkeiten. In diesen Zeiten wird auf das Notprodukt Maniok zurückgegriffen. Maniok wird oft erst angebaut, wenn der vary hosy (Reis der ersten Saison) nicht gut ausgefallen ist oder wenn eine schlechte Ernte voraussehbar ist.

Der Abtransport der Produkte gestaltet sich für etliche Regionen als äusserst schwierig. Nicht selten muss die Ernte auf dem Rücken und per Piroge zum Aufkäufer transportiert werden. Dies führt zu zusätzlichen Kosten für den Produzenten oder zu einem verschlechterten Ankaufspreis durch den Händler.

Die Küstenzone ist mit einer Eisenbahnlinie und der RN 12 verbunden, doch diese Wege öffnen letztendlich nur schmale Korridore. Die opération de développement agricole du Sud Est (ODASE) hat zwar hunderte von Kilometern 'Kaffeepisten' gebaut, trotzdem bleibt der Grossteil des Küstenhinterlandes nur schwer zu erreichen und eine Verbindung der Küste entlang nach Fort-Dauphin existiert nicht.

Viehhaltung nimmt keinen grossen Stellenwert ein. Das Vieh stammt zu einem guten Teil aus dem Hochland. Die Rinder werden in extensiver Weidewirtschaft gehalten und nicht gemästet, eine Aufzucht von Jungvieh ist nicht sehr ausgeprägt. Geschlachtet werden die Tiere allenfalls anlässlich von Feierlichkeiten. Das Problem der dahalo stellt sich in der Ostküstenregion nicht.

Ziegen und Schafe werden nicht gehalten. Schweine werden gehalten, sind aber für die islamischen Antaimoro fady. Die Betsileo haben insbesonders in der Region um Vangaindrano die Schweinehaltung eingeführt. Diese Region liefert pro Monat 100 bis 150 Schweine nach Farafangana und Manakara, die Stadt Farafangana konsumiert pro Monat 50 Schweine. Die Tierhaltung leidet an der ungenügenden veterinärischen Betreuung und den mangelnden Medikamenten.

Obwohl Meer und Flüsse fischreich sind, nimmt der Fischfang meist nur eine sekundäre Rolle ein. Zwar haben sich einige Dörfer (Ankatafana bei Mananjary oder Ampasimeloka bei Vohipeno und andere) auf Fischfang und Räuchern der Fische spezialisiert, doch in Vohipeno beispielsweise isst eine Person nur gerade 30 Gramm Fisch pro Jahr. Fischnetze sind kaum in Gebrauch. Hingegen hat sich in den letzten Jahren der Fang von Krustentieren boomartig entwickelt. Die Langusten, Krabben und Riesenkrabben gehen zumeist in den Export. In Vangaindrano wird bereits rund eine Tonne in der Saison von Mai bis November gefangen. Auch trépang wird nach China exportiert, bichiques nach Afrika. Die unsichere Kühlung und die mangelnde Verarbeitung des Fangs stellen jedoch weiterhin Probleme.

Industrie ist an der Ostküste der Provinz nur in geringem Mass vorhanden. Die SOMAPALM betreibt aufgrund ihrer Palmplantage von 500 Hektaren bei Ambila-Manakara eine Mühle und verkauft das Öl den Seifenfabriken von Antsirabe und Antananarivo. Seit 1983 röstet die KAFEMA in Manakara Kaffee, ein Teil wird exportiert. Mit der Rehabilitierung des Pangalana-Kanal entstand 1983 in Mananjary eine Werft. Die ACN (Atelier de Construction Navale) beschäftigt um die 90 Personen und baut Schaluppen und Fiberglasboote.

Auf handwerklicher Basis flechten Frauen Körbe, Matten und Hüte aus Ravenala und Lianen, die oft von weit her geholt werden müssen. Ein paar Schreinereien nutzen das Holz der Wälder zur Herstellung von Möbeln und Pirogen. Mehr als 1000 Tonnen Holz werden aus Farafangana in die anderen Provinzen exportiert.

Bergbau wird nicht betrieben, ausser die gelegentliche Suche nach Halbedelsteinen in der Region um Vangaindrano.

Die beiden Hafenstädte Mananjary und Manakara üben gleiche Rollen aus, allerdings befindet sich Manakara als Ausgangspunkt der Eisenbahn im Vorteil. Dafür ist der Flughafen von Mananjary besser ausgebaut als jener von Manakara.

Beide Städten sind koloniale Gründungen und leben von ihren Aussenbeziehungen. Beide haben mit den ungünstigen Küstenverhältnissen zu kämpfen und müssen die grossen Schiffe mit Schaluppen entladen. Beide dienen auch als Lagerstätten und Verpackungsorte für Exportprodukte. Manakara expediert rund 10’000 Tonnen landwirtschaftliche Produkte pro Jahr, wobei Kaffee 95% ausmacht. Mananjary schlägt bloss einen Viertel davon um. Beide leiden unter schwankenden Gütermengen, die mit der Kaffeeproduktion direkt liiert sind. Bezüglich Importen ist Manakara dank der Eisenbahn im Vorteil, bergauf werden vor allem Treibstoff und Grundgüter befördert. Mananjary hat mit der Neueröffnung des Pangalana-Kanal (1990) allerdings eine gewisse Aufwertung erfahren.

Der 24 Meter breite und 1,5 Meter tiefe Pangalana-Kanal verbindet auf 438 Kilometern die beiden Städte Tamatave und Mananjary, dazwischen liegen vier Flusshäfen (Ambila-Lemaitso, Vatomandry, Mahanoro, Nosy Varika) mit Lagerhäusern von je 1000 Tonnen Kapazität. Er soll der Evakuierung der Exportprodukte in einer Zone dienen, die per Strasse kaum zu erreichen ist. Das Grundproblem dieses Kanals bleibt die stete Versandung von Teilstücken.

In der Region um Mananjary gab es grosse Kaffeeplantagen der Europäer, die ab 1972 in Staatshände übergingen. Den nachfolgenden Rückgang der Produktion spürten auch die beiden Hafenstädte. Heute ist der Kaffeeexport nur noch klein, die Händler schaffen ihn lieber per LKW direkt nach Tamatave, denn die Schiffsladungen aus Manakara und Mananjary müssen in jedem Fall in Tamatave auf grosse Überseefrachter umgeladen werden. Manakara hingegen konnte auch von der Schliessung des Hafens in Farafangana (1958) profitieren und verfügt über ein produktiveres und grösseres Hinterland als Mananjary. So ist Manakara heute ökonomisch wichtiger und schlägt zehnmal mehr Waren um als Mananjary.

In den Städten Mananjary und Manakara, ebenso wie in Farafangana und Vangaindrano stehen nur wenige Häuser aus Stein und Beton. Es sind dies meist administrative Gebäude und Häuser von Händlern. Die Mehrzahl der Häuser ruhen auf fusshohen Pfosten, sind rechteckig und weisen kaum Stehhöhe auf. Diese vollständig aus Pflanzenmaterial erbauten und bedeckten Behausungen hinterlassen einen provisorischen Eindruck, erweisen sich aber nach Zyklonen als geeignete Bauweise, denn die Häuser sind sehr schnell wieder aufgebaut. Solche Häuser beherbergen fünf bis sechs Bewohner, haben weder Strom, Wasser noch sanitarische Anlagen.

Ein noch sehr bescheidener Tourismus hat sich entwickelt, unter anderem auch im Thermalort Ranomafana mit dem angrenzenden Naturreservat, wo 1987 der Goldene Bambuslemur entdeckt wurde. Viele Touristen erleben die Falaise der Ostküste mit der Eisenbahn und durchqueren dadurch Dörfer und Landschaften, die kaum Beziehungen mit der Aussenwelt unterhalten.