Provinz Antananarivo

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FARITANY ANTANANARIVO:

Organisation und heilige Hügel 

Die heutige Provinz Antananarivo ist zwar grösser als das traditionelle Imerina, doch der alte Traum der Imerina-Monarchen eines eigenen Zugangs zum Meer hat sich nicht erfüllt. Als einzige der sechs madagassischen Provinzen verfügt Antananarivo über keinen Meereshafen. Die zweitkleinste Provinz Madagaskars dominiert das zentrale Hochland, in deren Mitte sich Antananarivo befindet: Hauptstadt (renivohitra) der gleichnamigen Provinz und des Staates.

Das zwischen 1000 und 1500 müM gelegene Hochland wird von leicht gewellten Hügeln und breiten Tälern durchzogen, die hauptsächlich von den beiden Flüssen Betsiboka und seinem Zufluss Ikopa entwässert werden. Im Osten findet die Provinz mit dem Steilabfall zum Senktal von Moramanga ihre Grenze. Die vulkanische Bergregion des Vakinankaratra mit der Stadt Antsirabe gehört zum südlichen Teil der Provinz. Im Westen und Norden wallen die Hügel langsam zu Steppen aus, zuweilen unterbrochen von fruchtbaren Talebenen.

Die Temperatur nimmt von Osten nach Westen zu: Manjakandriana hat eine mittlere Jahrestemperatur von 16°, Tsiroanomandidy im Westen 23°. Das Jahr ist klar unterteilt in eine heisse Regenzeit von November bis April und eine kalte Trockenzeit von Mai bis Oktober. Der Juli ist der kälteste Monat. Die Provinz erhält überall mehr als 1000 mm Regen im Jahr.

Kurz vor der Regenzeit beginnt der arbeitsintensive Reisanbau, der einen Bauern 182 Tage pro Jahr beschäftigt. Während dieser Zeit herrscht aber auch vielerorts ein notorischer Nahrungsmangel und brechen regelmässig Malariaepidemien aus, die schlimmste Welle der jüngeren Zeit forderte auf dem Hochland 1987/88 Zehntausende von Todesopfern. Die Trockenzeit mit ihren vollen Reisspeichern ist für die Merina die Zeit der Beschneidungen und famadihana.

Die stark bevölkerte Provinz Antananarivo wird fast homogen vom Volk der Merina bewohnt. Ein Drittel der madagassischen Bevölkerung lebt in dieser Provinz, die mit 58’283 km2 11% der Fläche Madagaskars ausmacht. Die mittlere Dichte beträgt 55 Pers/ km2, doch die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt, denn 40% der Provinzbevölkerung lebt in urbanen Gebieten. Die Agglomerationen der Industriestädte Antananarivo und Antsirabe beherbergen über 1,5 Mio. Bewohner. Eine Familie hat 5 bis 6 Personen.

Die Provinz Antananarivo verfügt zwar über das dichteste Verkehrsnetz Madagaskars, doch die Strassen sind ungleich verteilt. Auch in unmittelbarer Umgebung der Städte bestehen viele Enklaven, deren Bevölkerung fast ausschliesslich von Subsistenz lebt und kaum Zugang zu den Märkten der nahen Städte hat.

Trotz der Konzentration an Arbeitsplätzen kennt die Provinz und ihre Städte einen hohen Grad an Armut und fortschreitender Verarmung - sowohl auf dem Land als insbesonders auch in den Städten. In der Stadt Antananarivo leben 20 bis 30% der Bevölkerung unter der Armutsschwelle.

Reis ist das Hauptprodukt im zentralen Hochland, und so gut wie alle Landwirtschaftsfläche ist damit bedeckt. Die Reisproduktion der Provinz liegt bei 526’000 Tonnen (1989), was rund einem Viertel der nationalen Produktion entspricht. Trotzdem deckt diese Ernte nur gerade 40% der Bedürfnisse der Provinz.

Im trockeneren Westen werden auch Maniok, Mais und Erdnüsse angebaut. In der kühleren Umgebung von Antsirabe gedeihen Kartoffeln, Weizen und Obst.

Die Hochlandbauern leiden in vielen Regionen unter Landknappheit und dem weit verbreiteten Pächtertum (40%). Zudem wird die Landwirtschaft durch die Zerstückelung des Ackerlandes in kleinflächige Parzellen behindert. Es ist nicht selten, dass die Reisfelder einer Familie - infolge der Aufteilung unter den Erbberechtigen - auf bis zu 15 kleine Parzellen verteilt sind.

Das Provinzwappen zeigt nebst Lilien auch zwei Zebuschädel und symbolisiert dadurch den Stellenwert der Viehzucht vor allem im Westen, wo die Hälfte der Rinder der Provinz weidet. In Tsiroanomandidy wird jede Woche sogar der grösste Viehmarkt Madagaskars abgehalten. In der Region von Vakinankaratra hat sich auch eine Milchwirtschaft etabliert.

Von den einstigen Waldgebieten der Provinz sind nur noch vereinzelte Restbestände übrig. Die einzigen grösseren Waldflächen verlaufen entlang des Ostabhangs von Anjozorobe über Manjakandriana nach Süden. Doch auch sie werden bereits intensiv beholzt, um die grossen Bedürfnisse der Städte an Holz und Kohle zu decken. Einzig in der schwer zugänglichen Gegend östlich von Andramasina findet sich noch ein ursprünglicher Waldbestand von 19’500 Hektaren. Auf dem Hochland stehen nur mehr vereinzelte Baumgruppen, selten grössere Bestände. Im Westen führen Galerienwälder entlang der Flüsse, doch auch sie sind durch die häufigen Buschfeuer gefährdet.

Der Fischfang nimmt einen gewissen Stellenwert als Nahrungslieferant ein, einerseits werden die drei grossen Seen Tsiazompaniry (2333 ha), Mantasoa (1375 ha) und Itasy (3835 ha) konstant befischt, wobei der Lac Itasy um die 200 Tonnen Fisch pro Jahr liefert. Andererseits stellen die überfluteten Reisfelder eine willkommene Quelle an Fischen dar. Nur ein Teil des Fangs wird verkauft.

Antananarivo und Antsirabe sind die beiden wichtigsten Industriestädte des Landes und Standorte von mehr als der Hälfte aller madagassischen Industriebetriebe. Die beiden städtischen Pole konzentrieren auch fast die ganzen ökonomischen Aktivitäten der Provinz: 93% der Unternehmen sind dort, ebenso wie 81% der Transporteure.

Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Städte von sekundärer Bedeutung wie Ambatolampy, Manjakandriana, Tsiroanomandidy, ebenso wie historische Städtchen wie etwa Ankazobe (alte Grenzstadt der Merina gegen die Sakalava) und Betafo (ehemalige Hauptstadt des Vakinankaratra). Etliche Städtchen wie Miarinarivo, Faratsiho, Andramasina sind reine Verwaltungsorte.

Die alte Tradition der Märkte in Merinaland wirkt sich bis heute aus: in der Provinz finden nicht weniger als 121 grosse Märkte pro Woche statt. Der grösste war seit je her der Freitagsmarkt (zoma) in Antananarivo, der gleichzeitig das grösste Marktereignis der Insel war. (Zu Beginn der 1990er Jahre wurde er verboten, weil das Verkehrschaos und die hygienischen Verhältnisse untragbar wurden.)

Im Zentrum des Merinalandes liegt die Agglomeration Antananarivo, in der 14% der madagassischen Bevölkerung lebt. Die aus einem alten Siedlungskern auf dem 1450 m hohen und Y-förmigen Granithügel Analamanga hervorgegangene Stadt war zu Zeiten der madagassischen Monarchen um die rova (Königsresidenz) und den Markt von Andohalo erbaut. In deren Gegend entstanden auch die ersten christlichen Kirchen. Allmählich breitete sich die Stadt im 19. Jahrhundert über die Hügelflanken aus, wuchs bis in die Reisfelder hinein und vergrösserte sich entlang der sternförmigen Strassen in fünf Richtungen. Die heutigen Quartiere waren noch vor wenigen Generationen Dörfer, die in vielen Fällen ihren beschaulichen Charakter bis heute beibehalten haben.

Die Kolonialzeit arbeitete zwar einen Stadtentwicklungsplan (Plan Géo Cassaigne) aus, der unter anderem die beiden Tunnels und auch die Evakuierung der Abwässer forderte. Der Erfolg dieser Stadtplanung war allerdings nur beschränkt. Mit dem Bahnhof entwickelte sich ein 'modernes' Geschäftszentrum entlang der heutigen Avenue de l'Indépendance, doch die dichtbevölkerten Quartiere liessen sich nicht sanieren. Nach der Unabhängigkeit entstand ein Administrativzentrum in Ampefiloha, wo sich heute die Mehrzahl der Ministerien befindet.

Die Stadt wird im Süden, Westen und Norden von der ehemaligen Sumpfebene Betsimitatatra (1250 müM) umgeben, die mit 20’000 ha bewässerten Reisfeldern eine der grössten Reisebenen der Insel ist. Sie wurde insbesonders durch den König Andrianampoinimerina durch ein technisch anspruchsvolles System an Dämmen und Kanälen erschlossen. Bis in die 1950er Jahre war diese fruchtbare Ebene eine wichtige Reiskammer nicht nur für die Stadt, sondern für das ganze Land. Doch die Bevölkerungsexplosion und die drastische Produktionsverminderung von 30% haben bewirkt, dass diese Ebene mit ihren 65’000 Tonnen (1988) nicht einmal mehr die Stadt ernähren kann. 70% der Reisbedürfnisse der Agglomeration müssen eingeführt werden, obwohl in der Betsimitatatra drei Ernten möglich sind: Reis der ersten Saison (vary aloha), Reis der zweiten Saison (vary vakiambiaty) und Reis der Zwischensaison (vary sia). In der näheren Umgebung der Stadt befinden sich um die 300 km2 Reisfelder.

Die Betsimitatatra wird von den Flüssen Ikopa und seinen Zuflüssen Sisaony und Mamba durchflossen. Diese Flüsse führen in ihrem Oberlauf durch relativ steiles Gebiet und tragen Sand und Erde mit, die sie beim langsamen Durchqueren der Ebene im eigenen Bett deponieren. So bilden sie eine permanente Überschwemmungsgefahr, nicht nur für die Reisfelder, sondern auch für die in der Ebene erbauten Dörfer. Seit der katastrophalen Überschwemmung von 1958/59 liegt das Flussbett des Ikopa infolge der Versandung über den durch Dämme geschützten Reisfeldern der Betsimitatatra. Die Überschwemmungsgefahr hat sich dadurch noch erhöht.

70% der Betsimitatatra-Bauern sind Pächter, die dem Besitzer normalerweise einen Drittel der Ernte abliefern müssen. Dies motiviert den Pächter jedoch nicht, ins Land zu investieren, ebenso wie sich die Diebstähle von noch in den Reisfeldern stehendem Reis produktionshemmend auswirken. Zudem ist die Wasserversorgung und Verteilung nicht für alle Anstösser optimal geregelt. Doch ein Weltbank-Projekt arbeitet seit Jahren an der Sanierung der Ebene, ihrem Schutz gegen Hochwasser und zieht auch die Stadt selber in die Planung ein. Die Probleme sind gewaltig: die Abwasserkanäle der Stadt sind verstopft oder defekt, die Kanäle drohen zu versanden und zu verschlammen. Ganz abgesehen davon haben sich in vielen Quartieren wilde Urbanisierungen und Bidonvilles gebildet.

In der unmittelbaren Umgebung von Antananarivo werden Gemüse, Früchte und Salat, insgesamt 10’000 Tonnen pro Jahr, für die städtischen Märkte gepflanzt. Dabei haben sich einzelne Dörfer auf bestimmte Produkte spezialisiert: Talata Volondry (nordöstlich von Antananarivo) verkauft Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Piment. Ankadinandriana (südöstlich von Antananarivo) produziert Blumen. Erdbeeren finden sich in Anjomakely (südlich von Antananarivo). Die Märkte von Mahitsy (nördlich von Antananarivo), Talata Volondry und Ankadinandriana (südöstlich von Antananarivo) verkaufen auch Rinder in die Stadt.

Viehhaltung ist in den Dörfern der Agglomeration weit verbreitet. Meist sind es zafindaony-Rinder (lokale Zebu), die vor allem für die Ackerarbeiten gebraucht werden. Die rana (Kreuzungen zwischen Normand und zafindaony), norwegische Pie Rouge und Friesland werden eher als Fleisch- und Milchlieferanten genutzt. Schweine und Geflügelzucht finden sich nicht nur in Familienbetrieben, sondern auch auf kommerziellen Farmen. Doch diese Betriebe haben Mühe, genügend Futter für die Tiere herzuschaffen.

Die Agglomeration Antananarivo (2522 km2) beherbergt 1,4 Mio. Einwohner (1989), wovon allerdings 60% im engeren Teil der Stadt (6,5 km2) leben und Bevölkerungsdichten bis zu 10’000 Pers/ km2 aufweisen. Antananarivo ist kein eigentlicher Magnet für die anderen Provinzen, nur 9% der Bevölkerung sind in den letzten zehn Jahren aus anderen Provinzen eingewandert, die Hälfte der Bewohner wurde in der Stadt geboren.

Die einzig grössere Siedlung an der Peripherie der Agglomeration ist Ivato, die infolge der Nähe des internationalen Flughafens und eines Militärcamps 25’000 Einwohner zählt. Andere Dörfer (Mahitsy, Talatamaty, Antehiroka) zählen um die 4000 Einwohner.

Die Stadt ist der wichtigste Industriestandort Madagaskars, die Industrie beschäftigt allerdings mit 53’000 (1984) nur 20% der aktiven Bevölkerung. Seit der Liberalisierung kamen aber in den 1990er Jahren zahlreiche Unternehmen der Zollfreizone nach Antananarivo und beschäftigten tausende von Menschen vor allem im Textilsektor. Der tertiäre Sektor ermöglicht 73% (1989) der aktiven Bevölkerung ein Einkommen, wobei Handel und Verwaltung 35% (1989) der aktiven Bevölkerung beschäftigen.

Als Industriezentrum stösst Antananarivo auf etliche Hinderungsfaktoren: die Rohmaterialien müssen von anderen Gegenden eingeführt werden (Baumwolle, Holz, Tabak) oder sie müssen gar importiert werden (chemische Produkte, Eisen, Ersatzteile). Zudem gibt es das Problem der Stromversorgung, denn die JIRAMA vermag nicht immer, Strom von gleicher Spannung zu liefern. Stromunterbrüche sind häufig, besonders in der Regenzeit. Nicht alle der rund 1000 Unternehmen sind legal strukturierte Unternehmen, etliche arbeiten mehr informeller Art. Die Baubranche beschäftigt am meisten Leute, gefolgt von der Textilindustrie und der Nahrungsmittelbranche. Die meisten Betriebe beschäftigen weniger als 50 Personen. In Antananarivo findet sich mit PAPMAD auch die einzige Papierfabrik des Landes. Ebenso nur in Antananarivo werden beispielsweise Batterien hergestellt werden.

Antananarivo ist auch eine Stadt der Dienstleistungen aller Art, ein Zentrum für den Handel und Sitz der Ministerien. Alle Banken haben ihren Hauptsitz in Antananarivo und beschäftigen dort über 2000 Personen.

Wichtiger für das tägliche Überleben ist der informelle Bereich. Kleine Restaurateure (Gargotiers mit ihren hotely), Transporteure mit Pferdekutschen, Pousse-pousse, Parkwächter, Zeitungsjungs, Holzverkäufer, Schrotthändler und all die Marktverkäufer, aber auch ein Heer an Gelegenheitsarbeitern suchen sich täglich ihren Platz in einem dichten Netz an Aktivitäten, die zwar ein Überleben sichern, aber nicht mehr.

Antananarivo ist mit seinem Flughafen das Tor zu Madagaskar und konzentriert dadurch den Grossteil der Hotels (40%) und des Tourismus. Die ausländischen Besucher kommen durchwegs im Flugzeug ins Land und verbringen ein paar Tage nach Ankunft und vor ihrer Abreise in der Landeshauptstadt mit ihren Denkmälern, dem Zoo und dem farbenfrohen Markttreiben.

Touristen, Geschäftsleute und der nicht zu vernachlässigende Reiseverkehr der Vertreter der Entwicklungsagenturen haben zu einer Konzentration an Hotels und Restaurants in Antananarivo geführt. Von den 111 registrierten Hotels der 1 bis 5 Sterne Klasse mit über 2000 Zimmern des Landes finden sich 34% in Antananarivo. Doch auch der interne Reiseverkehr spielt eine Rolle: 39% der Zimmer werden von in Madagaskar wohnenden Leuten besetzt. Über 2000 Personen finden in Antananarivo in den Hotels Arbeit durch den Tourismus, dazu kommen Verkäufer, Souvenirhersteller und die Mitarbeiter der Reisebüros.

Die Agglomeration hat 21 tägliche Märkte mit fünf grossen Wochenmärkten: Analakely (zoma, Freitag), Isotry (Samstag), Anohavoahany (Mittwoch), Mahamasina (Donnerstag), Besarety (Dienstag). Im verkehrsgünstig an der Taxi-Brousse Station gelegenen Engros-Markt von Anosibe (seit 1977) werden Landwirtschaftsprodukte (200 Tonnen pro Tag) aus dem Norden und Westen kanalisiert.

Der grösste Markt war bis anfangs der 1990er Jahre der jeden Freitag stattfindende zoma, der seit der Zeit von Andrianampoinimerina existierte, allerdings befand er sich früher im heutigen Quartier Soanierana. Alles und buchstäblich alles war zu kaufen: Gemüse, Früchte, Kleider, Kunsthandwerk, Gebrauchsgegenstände, Ersatzteile, alt und neu, importierte Waren, Diebesgut. Allein an Früchten und Gemüse wurden 500 Tonnen jede Woche verkauft. Innerhalb des Marktes war ein kompliziertes Gewebe an Organisation aktiv: vom Sonnenschirmverleiher und den Putzmannschaften bis hin zur Verpflegung der Verkäufer durch ambulante Essensverkäufer oder durch Kaffeeverkäufer mit ihren Spritzkannen voll Kaffee. Der Ablauf dieses Marktes war eine logistische Spitzenleistung. Am Samstagmorgen war der riesige Boulevard jeweils wieder leer und saubergefegt.

Die Stadt ist durch 200 Kilometer Strassen erschlossen, die zwar grösstenteils asphaltiert sind, aber mindestens zur Hälfte in einem lamentablen Zustand befinden. In der Agglomeration verlaufen zusätzliche 310 km Strassen, wobei 40% asphaltiert sind. Doch 72% der Erwerbstätigen gehen mangels Transportmöglichkeiten von Bussen oder Autos zu Fuss zur Arbeit. Fahrradverkehr ist so gut wie inexistent in Madagaskar.

Die Stadt hat drei Taxi-Brousse Stationen (gare routière) und den Sackbahnhof, von dem Linien nach Tamatave (371 km) und zum Lac Alaotra (272 km) führen und nach Antsirabe (158 km).

Die Evakuation der Abwässer und des Regenwassers ist eines der Hauptprobleme der Stadt, besonders in den tiefliegenden, stark bevölkerten Quartieren. Nur 10% der Häuser sind einer Kanalisation angeschlossen, 27% der Häuser haben fliessendes Wasser.

81% der Bevölkerung bezieht ihr Wasser aus öffentlichen Brunnen, die aber oft 'en panne' sind. Die Stadt pumpt ihr Wasser aus dem Lac Mandroseza in Südosten der Agglomeration.

Ebenso bildet der Abtransport von Abfällen ein Problem, obwohl die Stadt seit ein paar Jahren 400 Container von 500 Liter Kapazität aufgestellt hat und sie nachts leert und auf 15 ha Mülldeponie im Osten der Stadt lagert. Dort leben unzählige Familien in slumähnlichen Umständen von der Verwertung der angelieferten Abfälle.

In der Stadt herrscht trotz ihrer 200’000 Häuser eine akute Wohnungsnot, insbesonders in den Wohnquartieren des überbevölkerten Stadtteils von Isotry. Rund 10’000 neue Wohnungen sollten pro Jahr erbaut werden, um der Wohnungssituation Herr zu werden. Nur 16% der Haushalte haben sanitarische Installationen. Ein Drittel der Wohnungen bestehen aus einem Zimmer von 14 m2, 40% aus zwei Zimmern mit 25 m2. Im Schnitt hat eine Person nur 3 m2 Wohnfläche zur Verfügung.

Zwar wurden 15 Wohnsiedlungen mit je über 300 Wohnungen gebaut, so die Cité des 67 ha (2528 Wohnungen, ursprünglich erbaut für Studenten) oder Cité de Mandroseza (für Beamte). Diese Siedlungen wurden vor 1975 erbaut. Seither geschah von staatlicher Seite her nicht mehr viel. Die cités sind heruntergekommen, sind untervermietet und haben hinter dem Haus Hühnerhöfe.

Andere Quartiere sind teuer und herausgeputzt für ausländische Bewohner wie das Edelquartier Ivandry. Sehr viele Quartiere sind überbelegt, wie die 9100 Häuser in Isotry, wo 5 bis 8 Personen ein Zimmer von 14 m2 teilen. Oder sie gleichen Bidonvilles, erbaut als Abfall, Plastik und Karton.

Slumsiedlungen im Ausmass jener von Kontinentalafrika gibt es allerdings nicht.

Die Agglomeration hat 560 staatliche Primarschulen und 370 private, besucht von 300’000 Schülern. Ein Lehrer in einer der Privatschulen, die besser ausgerüstet sind als die staatlichen Schulen, aber auch teurer sind, unterrichtet 36 Primarschüler. Die 100’000 Sekundarschüler besuchen 56 staatliche und 164 privaten Schulen. Von den Gymnasien sind 7 staatlich und 73 privat und werden von 40’000 Schülern besucht, wovon dreiviertel Jungs sind.

In Antananarivo befindet sich die grösste Universität des Landes. Zu ihrer Entlastung wurden 1988 im Rahmen der Dezentralisierung in jeder Provinz eine Universität geschaffen. Trotzdem bleibt Antananarivo die weitaus wichtigste Hochschule, die mit 28’000 Studenten 73% aller madagassischen Studenten (1988) beherbergt. Gelehrt werden Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Forst, Agro und Veterinärwesen. Vier Cités stehen 2500 Studenten als Wohngelegenheit zur Verfügung. Doch die Wohnungen sind überbelegt, oft nicht von Studenten bewohnt und zum Grossteil in einem degradierten Zustand. 1989 erhielt die Universität 57% des nationalen Budgets für die sechs Universitäten, obwohl sie fast Dreiviertel der Studenten ausbildet. Ein Student in Antananarivo kostet den Staat einen Drittel eines Studenten in Diégo-Suarez.

Antananarivo verfügt über die zwei grössten Spitäler Madagaskars. Zudem sind private Kliniken entstanden. Malaria, Durchfall und Unterernährung sind die häufigsten Krankheitsbilder. Aufgrund der prekären hygienischen Verhältnisse tauchen in den Regenmonaten auch in der Stadt immer wieder Pestfälle auf.

Abends ist die Stadt so gut wie ausgestorben, weil Jugendbanden besonders im Zentrum der Stadt ihr Unwesen treiben. Nur noch zwei städtische Kinos zeigen Filme in Antananarivo, meist Kung-Fu und billige Krimis. Die zahlreichen Kinos der früheren Jahre sind den Video-Clubs erlegen, die in allen Quartieren entstanden sind und sehr Erfolg bei den Jugendlichen des Quartiers haben. Die Kulturzentren, insbesonders jene der USA, von Deutschland und Frankreich, bieten ein Programm, das von Jazz über Dichterlesungen, von Sprachkursen bis zu Filmvorführungen reicht. Diese Institute, denen auch Bibliotheken angegliedert sind, haben eine wichtige Funktion im madagassischen Kulturleben eingenommen. Die Nationalbibliothek übt eine wichtige Rolle als Bibliothek für Schüler und Studenten aus, die in ihren Lehrinstituten oft nur gerade ein bescheidenes Angebot an Büchern finden.

In Antananarivo und insbesonders in der Nähe der rova, finden sich 83 katholische Kirchen, 60 anglikanische, 5 adventistische und 4 Moscheen.

150 km rings um die Agglomeration Grand-Antananarivo erstreckt sich ein 20’000 km2 grosser Gürtel von Ebenen und granitdurchsetzten tanety (Hügel). Dieses Kernland des alten Imerina wird von 800’000 Leuten bewohnt, die zu zwei Dritteln im Süden der Stadt halbmondförmig in der Region zwischen Arivonimamo über Ambatolampy und Andramasina bis Manjakandriana leben. Die Dichte liegt bei 41 Pers/ km2. Allerdings ist die Bevölkerung ungleich verteilt, der Süden ist dichter bewohnt als der Norden, wo die bebaubaren Ebenen in steppenartige, unbesiedelte tampoketsa auslaufen. Die Orte dieses Gürtels sind lediglich grössere Dörfer. Manjakandriana beispielsweise hat 2000 Einwohner. Die Bevölkerung - fast durchwegs Merina - wurde vor über hundert Jahren intensiv christianisiert, in jedem Dorf finden sich mindestens zwei Kirchen (eine katholische und eine protestantische).

Eine Sonderstellung nimmt Ambatolampy ein. In einer äusserst aktiven Gegend mit einer breit variierten Produktion und verkehrsgünstig an der RN 7 gelegen, ist der 20’000 Einwohner grosse Ort ein reiches, behäbiges Landstädtchen. Ambatolampy wurde Mitte des letzten Jahrhunderts zur Zeit von Ranavalona I um eine Reisebene von 50 Hektaren erbaut.

Zu diesem Gürtel gehören auch Anjozorobe im Nordosten und Ankazobe im Norden der Provinz. Dieser nördliche Teil hat aber einen geringeren ökonomischen Stellenwert verglichen mit dem südlichen Teil.

Die Region dieses Gürtels ist auf ihr Zentrum Antananarivo ausgerichtet, zwischen den Gebieten der Region gibt es oft keine Kommunikation, sowie es auch Enklaven gibt, die von der Aussenwelt so gut wie abgeschnitten sind, wie beispielsweise die Reisfelder nördlich von Anjozorobe oder die Kartoffelgebiete südlich von Arivonimamo im Morgenschatten des Ankaratra.

Die vielen Flüsse der regenreichen Region verursachen eine erhebliche Erosion des Geländes. Das Gebirge des Ankaratra liefert genügend Wasser in die Region um Ambatolampy, das in über 12 Flüssen nach Osten fliesst und schliesslich in den Onive einmündet, der in einem Durchbruch in Tsinjoarivo nach Osten abfliesst. Der Sisaony und die Flüsse nördlich davon liefern ihr Wasser dem Betsiboka nach Nordwesten. Bewaldet ist die Zone im Osten in Manjakandriana und um Ambatolampy, dort finden sich auch viele Aufforstungen. Diese Baumbestände sich jedoch gefährdet durch die häufigen Buschfeuer. Manjakandriana ist der Hauptlieferant von Holz und Kohle für die Stadt Antananarivo.

Basis ist die Landwirtschaft (Reisanbau), die 90% der aktiven Bevölkerung beschäftigt. Für die Stadt Antananarivo ist diese Zone als Lieferant von Reis, Maniok, Kartoffeln, Milchprodukten wichtig. Und als Lieferant von Arbeitskräften. Daher ist in einigen Gebieten die Anzahl der Frauen höher als jene der Männer, die temporär auf der Suche nach Arbeit abwandern. Aus Ambatolampy hingegen stammen sehr viele der weiblichen Haushaltsangestellten der Stadt Antananarivo. Im März gehen auch etliche Männer als Erntehelfer auf die Reisfelder von Anjozorobe oder in die Region des Lac Alaotra. Die Saisoniers kommen nach wenigen Monaten wieder zurück, um ihre eigenen Felder zu bearbeiten.

Beim Reisanbau hat sich eine klare Arbeitsteilung eingespielt: in den drei Monaten vor der Regenzeit bereiten die Männer die Felder vor, die Frauen kümmern sich um die Anziehbeete und das Umpflanzen der Reisschösslinge (repiquieren). Für die Ernte und das Dreschen werden oft männliche Hilfskräfte zugezogen.

Zugtiere sind im Reisanbau sehr verbreitet, ebenso wie Pflug und Egge. Die Bebauer sind zu 68% auch die Besitzer der Felder. In fast 60% der Fälle sind die Felder vererbt.

Der 'fruchtbare Halbmond' südlich von Antananarivo produziert auf 85’000 Hektaren 197’000 Tonnen Reis pro Jahr. Obwohl in dieser Region für madagassische Verhältnisse mit 2,3 Tonnen pro Hektare gute Resultate erzielt werden, ist auch diese Grossregion defizitär an Reis. Die Produktion könnte zwar leicht verdoppelt oder verdreifacht werden, doch die defekten Bewässerungsanlagen, die nicht existenten Strassen und die grosse Unsicherheit in der Gegend bilden entscheidende Hinderungsfaktoren.

In Ambatolampy liegt die 1000 Hektaren grosse Ebene des Flusses Onive brach. Die 'opération 1000 hectares de rizières de l'Onive' startete 1979 mit nordkoreanischer Hilfe, kam aber ins Stocken, weil die Bewässerungskanäle der Ebene höher gebaut wurden als die wasserliefernden Flüsse. Zudem wurden die Besitzverhältnisse vor Projektbeginn nicht genau abgeklärt.

Der hügelige Gürtel um Antananarivo konzentriert sich aber nicht nur auf den ausschliesslichen Anbau von Reis. Auch Maniok wird angebaut, insbesonders in Anjozorobe. Auf den tanety werden Mais und Bohnen (besonders in Arivonimamo) und Erdnüsse (Arivonimamo) gepflanzt. Es finden sich auch Süsskartoffeln (Andramasina), Kartoffeln (Ambatolampy), Bohnen (Arivonimamo).

Ebenso werden Tomaten, Gurken, Zwiebeln aus dieser Region auf die städtischen Märkte geliefert. Auch Früchte (Pfirsiche, Pflaumen, Äpfel, Bibasses) werden in Ambatolampy und Ananas in Ankazobe und Arivonimamo angebaut. (Einzig Kirschen werden in Madagaskar nicht abgebaut.)

Viehhaltung spielt eine grosse Rolle, wobei die Rinder in extensiver Weise gehalten werden. Die Milchproduktion nimmt erst einen geringen Platz ein. In Ambatolampy sind von 34’000 Kühen nur 2000 Milchkühe. Pro Tag liefert eine Milchkuh 3 bis 6 Liter. Die Produktion von Milch konzentriert sich vor allem um Manjakandriana und in Ambatolampy.

Die Viehhalter leiden unter Viehdiebstahl, ebenso wie den degradierten Weiden, den Buschfeuern und der mangelnden veterinärischen Betreuung. Trotzdem hat die Milchproduktion zu einer verarbeitenden Industrie geführt. So findet sich in Manjakandriana das Familienunternehmen TIKO, das täglich 10’000 Liter Milch zu Joghurt, Trinkmilch und Butter verarbeitet und 170 Angestellte beschäftigt.

Die Bauern halten nebenher Schweine, vor allem in Ambatolampy. In Andramasina werden Gänse (meist aber Enten) gemästet, die in Behenjy (Ambatolampy) für die Produktion von Gänseleberpastete verarbeitet werden. Die Produktion wird in Antananarivo verkauft und teilweise auch exportiert.

Auf artisanaler Basis arbeiten Eisenschmiede (300 in Arivonimamo und 50 in Andramasina). In der Region um Arivonimamo, insbesonders in Mangatany, leben viele Familien von Schmiedearbeiten und stellen angady, Messer und Hacken aus Altmetall her. Ebenso werden dort pro Jahr 150 charetty (einachsige Ochsenkarren) hergestellt und überall auf dem Hochland verkauft.

In Arivonimamo lebten bis vor kurzer Zeit etliche Familien von der Seidenverarbeitung und der Produktion von Seidenlambas, doch die Zerstörung der tapia-Bäume durch Buschfeuer hat diese Aktivität in den letzten Jahren stark limitiert.

Die Fabrikation von Backsteinen ermöglicht vielen Bauern einen willkommenen Nebenverdienst, insbesonders in der Region von Ambatolampy.

In Ankajobe und Anjozorobe werden auf artisanaler Basis Minen (Quarz und Beryll) ausgebeutet.

Für die Touristen ist diese Region meist nur eine Transitzone, ausser das Gebiet um den Lac Mantasoa, das für die Bewohner von Antananarivo zum Naherholungsgebiet gehört. Kaum jemand besucht die alte rova in Tsinjoarivo östlich von Ambatolampy, obwohl sie herrschaftlich über einem Durchbruch und Wasserfall des Onive gelegen ist und das einzige Museum der Region aufweist.

Der südliche Teil von Merinaland wird dominiert vom 4000 km2 grossen und mit dem Tsiafajavona 2644 m hohen vulkanischen Gebirge des Vakinankaratra und der Stadt Antsirabe. Die Region ist mit fast einer Million Menschen und 63 Pers/ km2 dicht besiedelt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf der Ost- und Südseite des Gebirges, auf der trockeneren Westseite sinkt die Dichte auf 13 Pers/ km2 ab, dort gibt es auch Probleme mit der Sicherheit, die sich bis in die Landwirtschaftszone von Betafo hinzieht.

Der vulkanische Ursprung des Gebirges ist heute noch deutlich anhand der vielen Kraterseen, etwa dem Lac Tritriva, zu sehen, ebenso wie die heissen Thermalquellen in der Stadt Antsirabe auf eine noch schlummernde Vulkantätigkeit schliessen lassen.

Die Region liegt höher und ist auch kälter als jene um Antananarivo, die Temperatur sinkt in einigen Nächten der kalten Jahreszeit unter den Gefrierpunkt.

Wasser gibt es in Genüge. Nördlich von Antsirabe ergiessen sich die Bergflüsse des Vakinankaratra in den Onive, südlich davon in den Mania, der die Grenze zur Provinz Fianarantsoa bildet und nach Westen in den Tsiribihina fliesst.

Die ganze Region um Antsirabe wird von Merina bewohnt. Ausser im trockenen Westen, wo vereinzelt viehhaltende Bara leben.

Antsirabe, die zweitgrösste Stadt Madagaskars, ist eine relativ autonome Stadt. Auf dem städtischen Gebiet von 152 km2 leben über 150’000 Einwohner. Die Stadt geht auf eine Station der norwegischen Missionare zurück, die sich am kleinen See Ranomafana niederliessen. (Annt-tsira-be bedeutet viel Salz) Nebst ihrer Industrie hat Antsirabe eine Militärakademie und eine Polizeischule. Früher war Antsirabe dank den Thermalbädern ein beliebter Kurort. Diese Bäder mit Heilwirkung sind in den letzten Jahren jedoch sehr heruntergekommen und werden kaum noch genutzt.

Seit 1923 ist Antsirabe durch die Eisenbahn mit Antananarivo verbunden. Antsirabe liegt verkehrsgünstig an der RN 7 und ihrer Abzweigung nach Westen in den Menabe (Morondava). Die Stadt ist mit einem Teil der industriellen Produktion auf ganz Madagaskar ausgerichtet (Baumwolle und Zigaretten), zum Teil finden die Landwirtschaftsprodukte in Antananarivo einen weiteren städtischen Markt. Es bestehen keine Kontakte zwischen Antsirabe und den benachbarten Gebieten der Ostküste. Die steile Falaise und ihre dichten Wälder verhindern jeglichen Austausch von Gütern und Personen.

Als landwirtschaftliches Produktionszentrum hat die Region um Betafo (westlich von Antsirabe) eine grosse Bedeutung und ist mit 200’000 Einwohnern entsprechend dicht besiedelt. Betafo war die alte Hauptstadt des Königreiches Vakinankaratra, wurde aber 1903 während der Kolonialzeit von Antsirabe abgelöst. Eine weitere landwirtschaftlich bedeutende Region ist die Umgebung von Antanifotsy (nordöstlich von Antsirabe) mit ihren 220’000 Einwohnern.

Die Leute um den Vakinankaratra sind meist erfolgreiche Landwirte mit zusätzlicher Viehhaltung. Ihre Produktion geht zu einem wichtigen Teil auf den Markt.

Der Mangel an Landreserven stellt die Landwirte allerdings vor grosse Probleme. 80% der Bauern haben bloss 36 Aren Reisfelder und 60 Aren tanety (Hügelland) zur Verfügung. 80-90% der Bebauer sind auch die Besitzer des Landes, dies zeigt, dass die Familien schon seit zahlreichen Generationen in der Region sind.

Die kultivierte Fläche beträgt 105’000 Hektaren, wovon die Reisfelder 42% einnehmen. Darauf werden 140’000 Tonnen Reis produziert, vor allem in Betafo (32%) und in Antanifotsy (41%). 7% der Reisfelder werden in der kalten Zeit nicht brach gelassen, sondern in Fruchtwechsel bewirtschaftet (vor allem mit Kartoffeln, seit einigen Jahren auch zunehmend mit Weizen und Gerste).

57% der Felder werden mit Mais und Kartoffeln bepflanzt, dann auch mit Bohnen und Maniok.

Aufgrund des Klimas wachsen Kartoffeln ausgesprochen gut, 84’000 Tonnen werden jährlich geerntet, vor allem in Antanifotsy (41%) und in Faratsiho (35%).

Weizen wurde schon 1972 von FIFAMANOR getestet. (FIFAMANOR wird seit 1972 von der norwegischen Entwicklungshilfe gestützt und ist in den Bereichen Fruchtbäume, Kartoffeln, Milchwirtschaft und Strassenbau als regionale Entwicklungshilfeorganisation tätig.) Der Anbau von Weizen geschieht von April bis August und eignet sich daher als Gegensaison zum Reis. Mit dem Bau der Getreidemühle KOBAMA in Andramomanelatra (1983), nördlich von Antsirabe, hat der Anbau von Weizen - jedenfalls in der Umgebung von Antsirabe - schnell zugenommen. Die Ernte liegt aber bei rund 1000 Tonnen noch weit unter den Bedürfnissen der KOBAMA, die mit ihren 150 Personen eine Produktionskapazität von 60’000 Tonnen pro Jahr aufweist. So nutzt sie bislang zu 63% importiertes Getreide. Die lokale Produktion beschäftigt die Fabrik nur gerade zwei Wochen.

Gerste als neues Getreide wurden durch das Projekt MALTO eingeführt. Die Brauerei STAR in Antsirabe verbraucht 6000 Tonnen Malz pro Jahr und propagiert mit einigem Erfolg den Anbau von Gerste, der drei Tonnen pro Hektare abwirft. Inzwischen werden rund 3000 Tonnen Gerste geerntet.

Die Region produziert 30’000 Tonnen Früchte aller Art. Die in der Region seit dem letzten Jahrhundert tätigen norwegischen Missionare haben in den 1930er Jahren auch Fruchtbäume eingeführt, deren Anbau sich auf die Region erfolgreich ausgebreitet hat. Die Fruchtbäume werfen in der Region Antsirabe über 2500 Tonnen Ernte ab, obwohl die Erträge mit 8 kg pro Baum gering sind. So werden pro Jahr 1150 Tonnen Äpfel gewonnen, ebenso wie Pfirsiche, Pflaumen und Birnen.

Die Region um Antsirabe hat sich zur klassischen Milchregion entwickelt. Die Bauern der Region besitzen Rinder nicht nur als Zugtiere, sondern auch als Milch- und Fleischlieferanten. 53’000 Stück werden pro Jahr verkauft. Die Norweger führten 1972 die Pie Rouge ein und gründeten damit eine Milchindustrie, die aber auch zu einer verbesserten Fleischerzeugung der mit ihnen gekreuzten lokalen Rassen führte. Ebenfalls auf norwegische Initiative wurde die ROMANOR (Société Ronono Malagasy Norveziana) gegründet. Sie ist einerseits eine milchverarbeitende Industrie, die Käse und Trinkmilch, Butter und Joghurt produziert. Andererseits leitet sie die Bauern zu Verbesserungen in der Milchtierhaltung an. 1600 Bauern liefern der ROMANOR täglich Milch (ronono), die 600’000 Liter im Jahr verarbeitet.

In der Milchverarbeitung ist in Antsirabe auch die SMPL (Société Malgache des Produits Laitiers) tätig, die 1972 aus der verstaatlichten Nestlé-Milchpulverfabrik hervorging und jährlich um die 120’000 Liter angeliefert erhält. Kleine Molkereien in Antsirabe und in Betafo verarbeiten weitere 73000 Liter.TIKO ist der jüngste Betrieb in der Michverarbeitung und hat sich in den letzten Jahren zum grössten Unternehmen in diesem Sektor entwickelt. TIKO entstand mit Krediten der Weltbank.

Die Schweinezucht kennt Probleme durch das wiederholte Aufflackern der Schweinepest. Die veterinärische Begleitung der Schweine ist mangelhaft. Dasselbe gilt für die in der Region ebenfalls wichtige Hühnerzucht.

Die intensive Viehwirtschaft hat auch zur Herstellung von Fleischwaren, Würsten und Salami geführt, die in allen Teilen Madagaskars willige Abnehmer finden.

In der Region um Antsirabe sind etliche Minen in Betrieb. Die meist artisanalen Kleinunternehmen bauen Beryll, Quarz, Turmalin, Aragonite ab. Die 1985 eröffnete Zementfabrik CIMA, südlich von Antsirabe mit einer Sticheisenbahnlinie verbunden, galt lange als weisser Elefant, die nur mittelmässige Qualität an Zement lieferte - wenn überhaupt. Sie wurde zu Beginn der 1990er Jahre von einem nigerianischen Investor gekauft und sucht sich nun als Société ABACIMAL ein neues Marktimage aufzubauen.

Die Bauern stellen als Nebenbeschäftigung Backsteine her, insbesonders an der verkehrsgünstig gelegenen Strasse von Antsirabe nach Betafo.

In Betafo produzieren einige Familien auf artisanale Weise Seife 'savony gasy' und Kerzen. In Zuge der generellen Verarmung der Bevölkerung kennen diese billigen Produkte keine Probleme, Abnehmer zu finden.

Antsirabe ist aber auch eine wichtige Industriestadt. 25% der aktiven Bevölkerung arbeitet in der Industrie, die vor allem von der Brauerei STAR, der Textilfabrik COTONA und der Zigarettenfabrik SACIMEN dominiert wird.

Mit 3000 Arbeitern ist COTONA die wichtigste Industrie in der Stadt. Sie wurde 1950 gegründet und 1976 nationalisiert, wobei das Management jedoch privat blieb. COTONA verkauft die buntbedruckten Stoffe und Tücher in eigenen Läden und über Zwischenhändler in ganz Madagaskar, ein Teil wird auch exportiert. Als einziges Unternehmen Madagaskars errichtete COTONA eine Filiale in Mauritius (1988).

Die Bierbrauerei STAR wurde 1949 gegründet und beschäftigt 300 Angestellte. Sie produziert 143’000 hl Bier und 70’000 hl Sprudelwasser.

SACIMEN beschäftigt 600 Arbeiter und stellt die Zigaretten Mélia, Boston, Sprint, Good Look und Seita her. Das zur französischen Bolloré-Gruppe gehörende Unternehmen war lange der einzige Zigarettenfabrikant des Landes. Inzwischen stellt auch ein anderes Unternehmen Zigareten der Billigstklasse her.

Eine weitere Anzahl an kleineren Unternehmen stellt Kautabak, Möbel und Kisten her oder ist in der Verarbeitung von Halbedelsteinen tätig.

All diese Industriebetriebe haben eine Reihe von Nebenaktivitäten zur Folge: Transport, Handel und Hotellerie. Antsirabe ist auch ein Etappenpunkt für Touristen, die allerdings oft durch das kalt-kühle Wetter enttäuscht sind. Der noch vor Jahren heruntergekommene Zustand dieser einstigen Gartenstadt hat sich inzwischen wesentlich verbessert.

Etwa 50 Kilometer westlich von Antananarivo, an der Westgrenze des früheren Merinareiches, beginnt der 'Moyen-Ouest' mit fast einer halben Million Einwohner auf 26’658 km2 und entspricht damit 5% der Fläche Madagaskars.

Sanftgewellte Hügel rollen gegen Westen, eine baumlose trockene Savannenlandschaft (tampoketsa), die nur durch Galerienwälder entlang der Flüsse aufgelockert wird. Buschfeuer überziehen die Ebene ab August mit schwarzen Narben. Nur die Regen ab November lassen ein kurzes, sattes Grün entstehen.

Im Moyen-Ouest befindet sich wie eine Oase die sehr produktive furchtbare vulkanische Zone um den Lac Itasy im Dreieck Miarinarivo - Soavinandriana - Ampefy. Dies wird noch verstärkt durch die relative Konzentration der Leute in der Region um den Lac Itasy. Doch der Grossteil der Landschaft bildet eine unterbevölkerte Region hundert Kilometer im Umkreis von Tsiroanomandidy, die sich im Westen bis zu den Hügelzügen des Bongolava erstreckt. So hat der eigentliche Moyen-Ouest weniger als 3 bis 9 Pers/ km2. Damit liegt die Bevölkerungsdichte der Region weit unter dem Landesdurchschnitt von 17 Pers/ km2.

Das Hauptproblem dieser Zone ist die generelle Unsicherheit, die noch schwerwiegender wird durch die mangelnde Verkehrsinfrastruktur. Im Moyen-Ouest befinden sich viele Dörfer als Enklaven wie etwa der Ort Kiranomena, der in der Regenzeit kaum erreicht werden kann. Der Ort Fenoarivo Be ist zwar ein wichtiges Produktionszentrum von Reis und Mais, aber nur über eine miserable Piste zu erreichen. So lebt dieser Ort praktisch autark. Weite Gebiete sind richtiges no man's land. Denn diese riesigen Weiten sind ideales Operationsgebiet für Viehdiebe.

Die generelle Unsicherheit hat zu internen Abwanderungen in grössere Dörfer geführt. Denn die 10 bis 50 Leute starken Banden (dahalo) nehmen längst nicht mehr nur das Vieh, sondern zünden Dörfer an, schleppen Hab und Gut weg, töten die Leute. Besonders in den Monaten Mai und Juni und während der Zeit der soudure (November und Dezember) nehmen die Diebstähle drastisch zu. Die unterbevölkerten Regionen machen ein spurloses Verschwinden leicht. Viele Dörfer wurden infolge von Attacken der dahalo aufgegeben.

Der Moyen-Ouest ist mit seinen unbebauten Böden ein altes Einwanderergebiet, insbesonders die Region um Tsiroanomandidy. 58% der Bewohner von Tsiroanomandidy sind erst nach 1972 eingewandert. Die Neuankömmlinge sind zu 90% Bauern auf der Suche nach Land. Sie stammen zumeist aus Imerina (Ambatolampy, Manjakandriana), Vakinankaratra (Antsirabe) und Betsileoland (Ambositra und Fandriana), also von Gegenden mit hohem Bevölkerungsdruck und knappem Land. Die Landreserven in der Region um den Lac Itasy sind eher rar geworden, während Tsiroanomandidy noch hunderttausende von Hektaren Landreserven hat.

Wer nicht schon Familienmitglieder in der Region hat, kommt erst als Saisonarbeiter, arbeitet erst als Pächter, bis er sich auf einem eigenen Terrain niederlässt. Das gelingt allerdings nicht allen: 50% der Bebauer in Itasy sind Pächter.

Viele Bauern produzieren in erster Linie für die Selbstversorgung. Und zwar wird eine Vielzahl an Produkten angebaut (Mais, Reis, Maniok, Bohnen), Vieh, Schweine und Geflügel werden gehalten, um nicht der Willkür von Wetter und schlechter Ernte ausgeliefert zu sein: denn die Neusiedler haben so gut wie keine finanzielle Rücklagen. So bieten die Häuser in den Siedlerdörfern oft einen sehr provisorischen Anblick.

Die Neuankömmlinge geraten allerdings häufig in Konflikt mit den Eingesessenen, die ihr Land als 'kijanan-drazana' (geerbt von den Ahnen ansehen) betrachten, während sich die Squatter nach ein paar Ernten auf ein 'solam-pangady' (Gewohnheitsrecht) berufen.

Eine geringere Einwanderergruppe bilden die Sakalava und die Tsimihety, die oft als Händler und Viehhüter tätig sind und 3% der jetzigen Bevölkerung ausmachen. Bara und Antandroy durchwandern mit ihren Viehherden die Region und agieren ebenfalls als Viehhändler.

218 km westlich von Antananarivo gelegen ist Tsiroanomandidy die ungekrönte Hauptstadt des östlichen Bongolava. Die Stadt ist durch ihre Zuwanderer ein 'kosmopolitischer' Ort von 20’000 Bewohnern. Doch er befindet sich in einer Sackgasse am Ende der RN 1-bis. Nur eine äusserst degradierte Piste führt von Tsiroanomandidy weiter über Morafenobe nach Maintirano an die Westküste. Und dies, obwohl Morafenobe ein grosser Viehlieferant für den Markt von Tsiroanomandidy ist. Keine Strasse führt nach Miandrivazo, wo die Flüsse des Moyen-Ouest in den Tsiribihina einmünden.

400’000 Rinder weiden im Moyen-Ouest. In Tsiroanomandidy findet jede Woche der grösste Rindermarkt Madagaskars statt. Auf mehreren Plätzen ausserhalb der Stadt werden die Rinder aus dem Sakalavaland, von Süden aus der Provinz Fianarantsoa und von Norden aus Mahajanga feilgeboten, pro Woche mehr als 1400 Tiere und alle über hunderte von Kilometern und während Tagen und Wochen hergetrieben.

Der Moyen-Ouest erhält genügend Niederschläge für den Ackerbau. In Tsiroanomandidy sind es 1577 mm pro Jahr in 109 Tagen. Die Temperatur bewegt sich zwischen 16° bis 31°.

Die Region ist ein Überschussgebiet für Reis, Maniok, Mais, Tomaten, Erdnüsse und 90’000 Rinder und 20’000 Schweine. Doch diese Produkte werden lokal nicht weiterverarbeitet. In Tsiroanomandidy gibt es keine Industrie und ausser kleinen Schlachtereien keinen fleischverarbeitenden Betrieb. Die Produkte und Tiere gehen durchwegs nach Osten auf die Märkte in Antananarivo, ausser einem Teil des Viehs, der bis an die Ostküste weitertransportiert wird. Die Produzenten werden sehr oft unterbezahlt, weil die Aufkäufer aufgrund der schwierigen Zufahrtswege den Preis massiv drücken. So beispielsweise in Fenoarivo Be, das abseits jeglicher Strassen liegt.

Die Subregion Lac Itasy ist dank ihrer Vulkanböden ein intensiv bebautes Landwirtschaftsgebiet. 35’500 Hektaren sind bewässert und werfen 45’000 Tonnen ab, auch die tanety werden noch bis zu einem steilen Winkel bepflanzt. Zugtiere und Pflüge werden fast durchgehend benutzt.

Reis ist das Hauptprodukt, gefolgt von Maniok (60’000 Tonnen), Mais (21’000 Tonnen) und Tomaten (20’000 Tonnen). Reis aus Regenfeldbau auf den tanety liefert auf 11’000 ha 6700 Tonnen.

Gegen den trockeneren Westen hin werden vermehrt Maniok (245’000 Tonnen) und Mais (34’000 Tonnen) auf den tanety angepflanzt. Reis wird im Bewässerungsfeldbau und auf den tanety (Regenfeldbau) angebaut und liefert 100’000 Tonnen.

Eine Milchproduktion bestand in Ankadinondry-Sakay und in Kianjasoa, wo in den 1950er Jahren Landwirte aus La Réunion siedelten. Sie verliessen das Land im Zuge der Nationalisierungen von 1975, womit die Aktivität degradierte ebenso wie die Stadt Babetville, das heutige Sakay. In Kianjasoa (südwestlich von Sakay) befindet sich eine Forschungsstelle für Viehzucht.

Eine artisanale Ausbeutung von Quarz, Beryll und Turmalin findet sich in der Region des Lac Itasy. Allerdings sind die Quantitäten bescheiden und schaffen nur ein paar wenige Arbeitsplätze.

Ein paar Arbeitsplätze gibt es als Schmiede und Schreiner für Ochsenkarren und als Fabrikanten für Backsteine. Die lokale charetty-Herstellung vermag allerdings den Bedürfnissen nicht Schritt zu halten, so werden die meisten Ochsenwagen aus dem Hochland (Arivonimamo und Mangatany) - per Lastwagen - importiert.

Der Lac Itasy und die Wasserfälle des Flusses Lily waren früher ein Naherholungsgebiet für die städtische Bevölkerung von Antananarivo. Ampefy hat seinen Charme behalten, wenn auch in etwas bescheidenerem Mass. Die lauwarmen Geysire westlich von Analavory werden heute kaum je von neugierigen Touristen besucht, obwohl sie fotogen in einer Talmulde liegen.